Die Kamera im Wandel der Zeiten

Von Fotos mit achtstündiger Belichtungszeit hin zu 8K Film hat sich die Fotografie ziemlich stark weiterentwickelt um zu dem Medium zu werden, das wir heute kennen. In diesem Beitrag erzähle ich dir etwas über alte und neue Gadgets hinter der Fotokamera, die Foto- und Filmkunst verbindet, da beide auf derselben Camera Obscura Technologie basieren, welche wiederum auf die Zeit vor Christus zurückgeht.

Geschichte

Ja, du hast das schon richtig gelesen. Die ersten Beschreibungen von „Kameras“ findet man im 4. Jahrhundert vor Christus. Diese Kameras hatten die Größe eines Raumes, beziehungsweise waren es eigentlich Räume mit einem Loch in der Wand. (Daher auch der Name – ‚camera‘ ist lateinisch für Raum bzw. Kammer). Durch das Loch in der Wand wurde ein umgedrehtes Bild dank eines natürlichen optischen Phänomens an die gegenüberliegende Wand projiziert. Der Nachteil dieser Kamera war natürlich, dass sich die Bilder damit nicht für die spätere Verwendung aufnehmen ließen. Die ersten echten Kameras wurden schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfunden und nutzten Silberverbindungen zur Bildproduktion, durch die auch eine ziemlich lange Belichtungszeit benötigt wurde. Diese Technologie hielt sich etwa 20 Jahre lang, bis die bekannte Kamera mit dem großen schwarzen Tuch über dem Fotografen erfunden wurde – die Kollodium-Nassplatten-Kamera. Eine Mischung aus verschiedenen Technologien zur Erzeugung und Fixierung von Bildern machte hier erstmals sofortige Fotos möglich. Dies führte schließlich auch zur Erfindung des Blendenverschlusses, der ursprünglich als separates Zubehörteil verkauft wurde.

Heute

Der 35mm Film, den wir heute noch kennen wurde erstmals Ende des 19. Jahrhunderts verkauft und hat sich ganz schön gut gehalten – nämlich etwa 100 Jahre lang. Es ist auch bemerkenswert, dass vor nur sechs Jahren in Hollywood mehr mit Filmkameras als mit digitalen Technologien gearbeitet wurde. Seitdem hat sich dieses Verhältnis aber radikal verändert. Die digitale Fotografie ist gekommen um zu bleiben und wird die Welt noch lange in verschiedenen Formen regieren. Eine moderne digitale 8K Pro Cinema Filmkamera der Marke Red zum Beispiel sieht aktuell eher aus wie etwas aus einem außerirdischen Raumschiff als wie professionelles Studio-Equipment.

Ein digitaler CMOS Sensor ist das Herzstück jeder digitalen Kamera. Er konvertiert Licht in ein eigenständiges Signal, bei dem jeder Sensorpunkt einem Pixel entspricht. Die Größe eines digitalen Vollrandsensors bei einer Fotokamera ist etwa so groß wie bei einem 35mm Film, während normale Kamerasensoren einem Super35 Film in einem 16:9 Bildformat entspricht. Digitalkameras erzeugen ein Rohbild (RAW Dateiformat), das aus dem unverarbeiteten Signal des Fotosensors besteht, also quasi ein digitales Negativ. Falls du deine Fotos aber lieber im JPEG Format schießen möchtest, entspricht dies dann dem verarbeiteten Bild, das von der Software des Kameraherstellers sozusagen bereits retuschiert wurde.

Digitalkameras haben allerdings auch ein paar Nachteile. Die Kosten für die Speicherung von 8K Videodateien sind enorm hoch. Ein zweistündiger Film kann dabei schon einmal bis zu 24 TB Festplattenspeicher benötigen. Außerdem haben die heutigen Speichermedien eine verhältnismäßig kurze Lebensdauer, wenn man sie mit Filmrollen vergleicht, die hunderte von Jahren halten können. Es wird aber natürlich bereits daran gearbeitet, diese Probleme zu lösen.

Zukunft

Die Dinge die ich hier beschreibe, werden aktuell schon genutzt, aber es besteht noch riesiges Potenzial für weitere Entwicklung und weitere Verbreitung. Die Hover Camera ist eine kleine persönliche Drohnenkamera, die auf dem Markt aktuell schon erhältlich ist. Es hat eine eingebaute KI (künstliche Intelligenz), die Gesichts- und Körpererkennung nutz, um deine Bewegungen zu tracken und dabei das Bild immer stabil zu halten. Du kannst sie mit deinem Smartphone verbinden und damit Selfies, oder vielleicht besser gesagt „Dronies“, machen und sie damit als deinen persönlichen KI Kameramann nutzen.

Digitale Spiegelreflexkameras entwickeln sich dagegen in eine andere Richtung. Neue „spiegellose“ Kameras, sogenannte Systemkameras, nehmen aufgrund ihrer kompakteren Bauweise langsam an Beliebtheit zu. Eine normale Spiegelreflexkamera braucht einen Spiegel, um ein Bild zum Sucher zu reflektieren, da der Sensor durch den Blendenverschluss verdeckt wird, solange nicht fotografiert wird. Bei einer Systemkamera ist der Sensor dagegen dauerhaft belichtet, wodurch die Bildvorschau direkt vom Sensor kommt. Der Blendenverschluss klappt zu, wenn der Auslöser gedrückt wird um zu viel Bildrauschen zu vermeiden. Allerdings können wir uns zukünftig sicher auch auf verschlusslose Kameras einstellen.

Ebenso wie digitale Spiegelreflexkameras werden professionelle Filmkameras immer kompakter. Die beste Kamera, die Hollywood derzeit zu bieten hat, die IMAX 3D Kamera, kann jetzt beispielsweise Verfolgungsszenen aufnehmen, die so vor ein paar Jahren niemals filmbar gewesen wären. Diese Kamera wurde zum Beispiel in der Produktion der neuesten Avengers, Transformers und Batman Filme eingesetzt.

Was ist jetzt also IMAX 3D genau? Die IMAX ist eine Kamera mit einem 70mm Film, der somit viel größer als der Standard Super35 Film ist. Daher sind die aufgenommenen Bilder viel beeindruckender und detaillierter und können auf riesige Leinwände (ebenfalls IMAX Leinwände genannt) projiziert werden. 3D hat damit nun direkt noch nichts zu tun. Der 3D-Effekt entsteht dadurch, dass mit zwei verschiedenen Linsen gefilmt wird, die auf der Kamera in etwa im menschlichen Augenabstand angebracht sind. So werden zwei verschiedene Filme aus versetzter Perspektive aufgenommen, die später im Kino so auf die Leinwand projiziert werden, dass sich die Bilder für das rechte und linke Auge 144 Mal pro Sekunde abwechseln. Damit tricksen wir unser Hirn aus, sodass es 3D Bilder auf einem zweidimensionalen Hintergrund sehen kann. Diese Kameras können nicht gekauft, sondern nur in Hollywood für ca. 15.000 Dollar pro Woche gemietet werden.

Die digitale Bildgebung brachte uns ebenfalls viele weitere Nutzen und Verbindungen mit anderen Technologien. Wir bei CodeFlügel entwickeln beispielsweise gerade eine Software, die das Bild einer „Time of Flight“ Kamera nutzt. Diese Kamera misst die Zeit, die ein Infrarotsignal braucht, um von einem beliebigen Punkt in der Welt zum Sensor reflektiert zu werden und erstellt daraus eine sogenannte „Point Cloud“, eine Abbildung der erkannten Punkte im Raum. Grundsätzlich erhält man dadurch also ein 3D-Bild, da die Tiefe aller Bildpunkte anhand der Reflexionszeit bekannt ist. Dies passiert mit einer Framerate von 30fps (Frames pro Sekunde) und das Ergebnis ist ein 3D-Video in Echtzeit.

Fazit

Dieses Themenfeld ist insgesamt natürlich gewaltig und ich habe hier gerade einmal an der Oberfläche der Fotografie- und Filmwelt gekratzt. Mein Großvater sagt jedenfalls immer, dass man früher noch ziemlich genau wissen musste was man tat, wenn man wirklich fotografieren wollte. Nun ja, bei der massentauglichen Fotografie heutzutage stimmt es natürlich, dass man im Prinzip nur den Auslöser drücken muss und die Software erledigt den Rest. Wenn du aber künstlerische Ansprüche hast, brauchst du trotzdem einiges an Wissen, um diese Grenze überschreiten zu können. Das gilt sogar auch, wenn du nur ein KI-Bildbearbeitungstool oder einen Filter programmierst, der deinem Foto den finalen Entwickler-Touch geben soll 🙂