Mensch gegen Maschine – Wie menschlich ist künstliche Intelligenz?

Die Zahl der künstlichen Intelligenzsysteme, die von uns zur Bewältigung täglicher Aufgaben eingesetzt werden ist stets im Steigen begriffen. Wie nahe kommt dabei die künstliche Intelligenz schon der menschlichen? Und sollten wir ihr mit Skepsis oder mit Freude gegenüberstehen? Hier ist unsere Meinung zu diesem Thema.

menschliche vs. künstliche Intelligenz

Die Menschheit hat im Laufe der Zeit schon so einige Veränderungen durchgemacht. Eine der bislang größten Herausforderungen war die Industrielle Revolution, durch die viele Menschen ihre Arbeitsplätze verloren. Ein Problem in dieser Zeit (das auch heute noch eines ist) war, dass Technologien und Informationen sich exponentiell weiterentwickeln. Daher beginnen wir laufend Ausbildungen für Jobs, die es in ein Paar Jahren vielleicht gar nicht mehr geben wird.

In der heutigen Zeit stehen wir an der Schwelle eines Zeitalters, welches das Potenzial hat, alles zu verändern. Wir stehen einer Zeit gegenüber, in der Geschäftsführer nicht die besten Personen sind um Entscheidungen zu treffen. Genauer gesagt, einer Zeit, in der die besten Entscheidungen gar nicht von Personen getroffen werden.

Smart oder intelligent?

Jede App ist auf ihre eigene Art intelligent, aber manche davon mehr als andere. Was macht diese Apps aber so speziell und anders?

Normalerweise wird eine App so programmiert, dass sie „weiß“ was sie tun soll, wenn die Nutzer eine bestimmte Aktion ausführen. Einfach gesagt, wenn der Nutzer einen bestimmten Button auslöst und verschiedene andere Bedingungen erfüllt sind, führt die App ihre vorprogrammierten Tätigkeiten im Hintergrund aus und liefert ein bestimmtes Resultat. Und dann gibt es wiederum Apps, die in ihrem System eine Fähigkeit integriert haben, welches es ihnen ermöglicht, Schlussfolgerungen aus einer ihnen zuvor unbekannten Datenmenge zu ziehen. Deshalb nennen wir diese Fähigkeit (künstliche) Intelligenz.

Was ist der Unterschied zwischen der menschlichen und der maschinellen Intelligenz?

Vor einigen Jahren hätten wir diese Frage mit „Kreativität“ beantwortet. Das stimmt heutzutage allerdings nicht mehr, da es bereits KIs (künstliche Intelligenzen) gibt, die bei bestimmten Aufgabenstellungen genauso kreativ wie wir Menschen sind. Ein Beispiel dafür ist Aiva, eine virtuelle Künstlerin, die klassische Musik für Filme, Werbungen und Spiele komponiert. Sie hat sogar ihr eigenes Album veröffentlicht (ein ziemlich gutes sogar) und besitzt selbst das Urheberrecht dazu.

Was Aiva da vollbringt, nennt man Deep Learning – eine höhere Form von maschinellem Lernen, die nicht nur Objekte erkennen, sondern sie auch verstehen kann. Aiva hat sich eine ganze Menge an klassischer Musik angehört und durch diesen Prozess Musiktheorie erlernt und herausgefunden, was für das menschliche Ohr gut klingt. Aufgrund dessen kann sie jetzt ihre eigene Musik komponieren. Dazu muss sie nicht länger mit bestimmten Daten gefüttert werden, sondern findet ihren eigenen Weg.

Ok, also nicht Kreativität. Wie sieht es mit kognitivem Denken aus?

Grundsätzlich ist maschinelles Lernen auf die Funktionen limitiert, für die es im speziellen Fall programmiert ist. Jede KI ist darauf trainiert, eine neue Datenmenge aus spezifischen Eingaben zu generieren. Mit allem was darüber hinausgeht, kann sie nichts anfangen. Daher kann Aiva zwar wundervolle Musik komponieren, aber keine Patienten diagnostizieren oder Autos reparieren.

Im Gegensatz dazu können Menschen kognitiv denken – sie betreten einen Raum und sehen die Leute und Dinge darin, sie können sich umsehen und verstehen dadurch was gerade vorgeht. Das ist nun also die Fähigkeit, die nur uns Menschen vorbehalten ist? Nö.

Eines der Systeme, das versucht, genau diese Fähigkeit nachzubilden ist IBM Watson. Einfach gesagt handelt es sich dabei um mehrere KIs, die gemeinsam „denken“. Watson kann Fragen beantworten und Wortspiele und Assoziationen in natürlicher Sprache formen. Außerdem ist Watson eine Maschine mit empathischen Fähigkeiten, die deinen Tonfall, deine Persönlichkeit und deinen Gefühlszustand interpretieren kann. Zusätzlich ist auch Computervision Teil des Systems, was bedeutet, dass Watson sich Bilder ansehen kann und erkennt, was darin abgebildet ist.

Zweifellos werden solche „kombinierten“ KIs zukünftig noch um zusätzliche KIs erweitert und so zu noch viel mächtigeren Systemen ausgebaut werden. Und bereits jetzt sind KIs dazu fähig riesige Datenmengen zu interpretieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Und damit meine ich nicht nur Ergebnisse, sondern auch Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen wie zum Beispiel in Bezug auf das Wetter, die Vorkommnis von Brustkrebs und viele andere nützliche Dinge.

Diese Fähigkeit kannst du jetzt nennen wie du möchtest, aber im Prinzip ist genau das die Definition von kognitivem Denken. Um eines klarzustellen, als Entwickler kann ich bestätigen, dass die künstliche Intelligenz von der Menschlichen noch weit entfernt ist – aber wie weit genau, wissen wir nicht. Schließlich war das selbstfahrende Auto vor nur 15 Jahren noch etwas, das wir nur aus Science Fiction Filmen kannten, und jetzt gibt es schon ein paar solcher Autos auf der ganzen Welt.

Wie menschlich ist die künstliche Intelligenz also?

Naja, Ich würde sagen, dass den Unterschied zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz genau das ausmacht, was die KI überhaupt erschaffen hat. Es ist unser Drang Grenzen zu überschreiten und „neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen, und dorthin zu gelangen, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist.“

Wir Menschen sind nicht dazu gemacht unser ganzes Leben lang in einer Reihe am Fließband zu stehen und nur daran zu denken, was wir am Abend wohl essen werden. Wir sind dazu gemacht, diese Reihen zu durchbrechen und uns ständig weiterzuentwickeln. Dafür ist die künstliche Intelligenz eine exzellente Unterstützung. Anstatt uns also davor zu fürchten, dass wir durch sie unsere Jobs verlieren könnten, sollten wir diese Technologie mit offenen Armen empfangen. Und das „Maschinen stehlen Arbeitsplätze“ Gedankenproblem durch stetige Weiterbildung lösen.

Wir können zusammen eine wundervolle Symbiose formen, mit einem virtuellen Vulkanier an unserer Seite, der aufgrund bloßer Fakten schlussfolgern kann und die emotionale Komponente außen vor lässt – der den Menschen ein Partner ist und es uns ermöglicht, uns frei und ohne Grenzen zu entfalten. Zweifellos hat uns die Technologie hunderte von Jahren in unserer Entwicklung nach vorne katapultiert. Jetzt müssen wir nur weise genug sein, um sie für einen guten Zweck einzusetzen. So viel zum Thema Herausforderung.