Work – Study – Life Balance: Geld oder Freizeit? Wofür soll man sich entscheiden?

80% aller Studenten arbeiten während ihres Studiums. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt, in die Berufswelt einzusteigen? Das letzte Mal habe ich geschildert, wie mein Eintritt in die Firma als neuer Mitarbeiter abgelaufen ist. Heute werde ich kurz erzählen, was auf jemanden zukommt, der (genauso wie ich damals) unsicher ist, was Arbeiten und Studieren gleichzeitig betrifft.

Als ich vor ein paar Jahren an der Technischen Universität Graz zu studieren begann, hatte ich natürlich keine Ahnung, was auf mich zukommt. Zu Beginn war mir klar, dass ich den Fokus für die nächsten Jahre auf mein Studium legen würde. Daher machte ich mir zu Studienbeginn auch keinerlei Gedanken bezüglich eines Nebenjobs. Selbstverständlich hat es Kollegen gegeben, die von Beginn an gearbeitet hatten. In meiner Situation war das aber recht schwierig, da ich doch jeden Tag einen recht langen Weg auf die Universität hatte. Deshalb wäre es als Neuling bestimmt nicht leicht gewesen, beides auf einmal von Beginn an zu managen. Persönlich hatte ich in dieser Hinsicht Glück, da meine Eltern mich unterstützten. Jedoch kommt bei den meisten (sicher nicht bei allen) der Moment, an dem man nicht mehr auf seine Eltern angewiesen sein will und auf eigenen Beinen stehen möchte.

Die Frage, die man sich hierbei stellen muss, ist: Hat man überhaupt Zeit für einen Job neben dem Studium?

Erstens hängt das natürlich vor allem vom Studium ab. Es gibt Studiengänge, die so gut wie keine Möglichkeit zulassen, um nebenher zu arbeiten. Ob es nun Lehrveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht oder Prüfungen mit umfassendem Stoff sind, manchmal ist man allein vom Studium schon dem Burnout nahe. Und zwischendurch möchte man auch Zeit für Freunde, Hobbies oder einfach das soziale Umfeld haben. Auch als Student sollte man auf seine „Work – Life Balance“ achten, auch wenn dieser Begriff eher fürs Berufsleben vorhergesehen ist.
Diese Situation würde auch meine Anfangszeit auf der Universität gut beschreiben – ich habe fast die meiste Zeit auf der Uni verbracht und konnte daher nicht die notwendige Zeit aufbringen (und hätte es auch nicht gewollt) neben dem Studium auch noch zu arbeiten. Glücklicherweise hat man als Student doch nicht ganz so wenige Ferien. Das heißt man kann als Student seine Arbeitszeiten ziemlich gut auf die Sommer – Semester oder Winterferien – verlagern. Auch ich persönlich habe es in den Anfängen meines Studiums so gelöst.

Der Vorteil jedes Studiums ist es, dass man in kurzer Zeit recht viel dazulernt und sich selbst Neues aneignet. Dadurch qualifiziert man sich im Laufe der Zeit für studienbezogene Berufe und Praktika. Man möchte nun nicht mehr den klassischen Studentenjob als Kellner oder als Aushilfe haben. Je weiter man im Studium vorankommt, desto attraktiver werden gewisse Stellenausschreibungen. Vor allem kann man diese auch leichter im Lebenslauf unterbringen. Für mich war genau das der Punkt, wo ich gesagt habe, ich bin bereit für den nächsten Schritt. Es ging dann alles recht schnell und von der ersten Wohnung bis zum ersten richtigen Job war es eine kurze Zeitspanne.

Derzeit arbeite ich als Web Developer auf Teilzeitbasis und mache die letzten Lehrveranstaltungen an der Technischen Universität Graz. Zu allererst muss man sagen, dass es eine sehr große Umstellung war. Dadurch, dass das Studentenleben dennoch ein ganz anderes ist als das Arbeitsleben, wurde mein damaliger Tagesablauf völlig umgeworfen. Vor allem das Zeitmanagement spielt eine wichtigere Rolle denn je. Vor allem das lockere Studentenleben musste darunter leiden. Ob es nun Partys unter Woche, ewige Abende mit Freunden oder unzählige Tage am Volleyballplatz sind, man musste sich die Zeit besser einteilen.

Aber genau das ist einer der besten Aspekte von Arbeiten und Studieren. Man lernt die Zeit, die man hat, effektiv zu nutzen und vor allem diese richtig einzuteilen. Es mag zwar komisch klingen, aber je weniger Zeit man hat, desto produktiver wird man. Jeder Student kennt es, den Stoff vor Prüfungen so lange vor sich herzuschieben, bis es kein vorbei mehr gibt. Hat man jedoch einen Beruf, kann man sich das nicht aussuchen. Man nutzt die Zeit, die man hat. Hat man ein paar Stunden frei, wird man quasi gezwungen zu lernen – sogar wenn einem nicht danach ist. Meist nützt man anstatt eines Mittagsschlafs (ja, Mittagsschlaf 😀 ) oder dem sinnlosen Scrollen durch soziale Medien in Öffis die Zeit für einen guten Zweck und scrollt zum Beispiel durch die letzte verpasste Vorlesung (auch wenn dafür meistens jede Menge Koffein notwendig ist).

Man hat nicht mehr die Zeit, alles am letzten Tag zu erledigen. Dadurch, dass man sich die Zeit einteilen MUSS, kommt es meistens sogar zu einem besseren Ergebnis. Der ganze Sinn des Zeitmanagements ist es, dass die Zeit, die man mit Freunden, Familie oder auch mit Sport verbracht hat, beibehalten bleibt. Es hat meiner Meinung nach keinen Sinn, alles andere zu vernachlässigen. Außerdem streikt einem die Freundin, sollte man für gar nichts anderes mehr Zeit haben. 😉 Auch wenn zum Beispiel unter der Woche nicht mehr viel Zeit übrig bleibt, möchte man die Zeit am Wochenende genießen um nicht dort auch noch kürzer treten zu müssen.

Auch wenn es etwas dramatisch klingen mag, im Worst-Case-Szenario kommt es auf genau diese Punkte an. Natürlich gilt das nicht für das ganze Semester. Es gibt auch Zeiten, wo alles viel geregelter und ruhiger abläuft. Jedoch sollte man auch für den oben genannten Fall vorbereitet sein.

Als Web Developer bei CodeFlügel ist es möglich, hin und wieder von zu Hause zu arbeiten und das Privileg des Home-Office zu nutzen. Dadurch erspart man sich wiederum eine Menge Zeit. Muss man zum Beispiel eine bestimmte Aufgabe fertigbekommen, die aber nicht länger als ein paar Stunden dauert und am gleichen Tag noch auf die Uni, ist es möglich, diese via Home Office zu erledigen. Des Weiteren bin ich ein absoluter Fan der flexiblen Arbeitszeit. Vor allem als Student kann es immer wieder passieren, dass sich der Stundenplan ändert oder man unerwarteter Weise auf die Uni muss. Demnach ist es möglich, meine Arbeitszeit an einem anderen Tag einzuarbeiten und ich muss dadurch nicht Zeitausgleich oder meinen Urlaub in Anspruch nehmen. Wichtig ist allerdings, dass man darüber sehr wohl mit seinen Kollegen beziehungsweise dem Arbeitgeber kommuniziert. Jeder der selbst studiert hat, wird mit Anhieb verstehen, dass es gewisse Termine gibt die man nicht versäumen darf und sollte nicht ein wichtiges Kundenmeeting darunter leiden, wird dies kein Problem darstellen. 😉

Als ich schließlich vollkommen in die Arbeitswelt getaucht bin, war ich an einen Punkt angelangt, an dem ich meine Prioritäten ändern musste. Innerhalb der ersten Jahre bis hin zum Abschluss des Bachelorstudiums war immer die Universität an allererster Stelle. Es war ja eigentlich mein Hauptberuf und die Nebenjobs, galten nur dem Zweck des Geldverdienens. Jedoch seit knapp einem Jahr und auch mit dem Wechsel ins Masterstudium haben sich diese Prioritäten geändert. Genau genommen würde ich sogar so weit gehen, dass ich inzwischen berufsbegleitend studiere – das Studium steht jetzt also offiziell an zweiter Stelle. Diese Entscheidung ist eine rein persönliche, mit der ich mir nicht leicht getan habe. Natürlich wollte ich immer mein Studium so schnell wie möglich abschließen. Trotzdem ist Erfahrung im Beruf mindestens genauso wichtig wie ein Titel. Wichtig ist nur, dass man sein Studium nicht schleifen lässt, wenn man eigentlich Zeit dafür hätte. Ein passender Job in deinem bevorzugten Karrierebereich bringt einem aber vor allem Praxis und Berufserfahrung. Und wer kann das nicht gebrauchen?!