“Ich traue meinen Augen nicht mehr!” – News im Artificial Intelligence Zeitalter

„Fake News!“ – seit ein paar Jahren vergeht kaum ein Tag, an dem wir diesem Begriff nicht begegnen. Aber wie es scheint, sind wir gerade erst an der Spitze des Eisbergs angekommen, denn die Zukunft unseres Nachrichtenkonsums ist ebenfalls durch einen Begriff geprägt, der uns fast täglich begegnet: „Artificial Intelligence“ (AI). Wie das nun alles zusammenhängt, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest.

Zuerst sollten wir einmal ein paar Basics klären. Was ist eigentlich Künstliche Intelligenz / Artificial Intelligence? Eigentlich gibt es keine offizielle und genaue Definition des Begriffs, da auch „Intelligenz“ selbst nicht klar definiert ist. Man kann aber sagen, dass die künstliche Intelligenz einen Teilbereich der Informatik darstellt, bei dem versucht wird, menschliches Verhalten durch Computer zu simulieren. Das ist allerdings auch nicht immer der Fall, da in vielen Fällen versucht wird, ein autonomes, optimales Verhalten zu simulieren, um Probleme zu lösen (was vom menschlichen Handeln durchaus abweichen kann 😉). Wie ihr seht, haben wir es hier mit einem sehr breiten Überbegriff zu tun, deswegen sehen wir uns jetzt einfach ein paar Beispiele an.

Was kann man eigentlich noch glauben?

Ich werde hier nun ein paar Beispiele bringen, die sehr gut verdeutlichen, welche Gefahren für unsere Zukunft und Gesellschaft auf uns warten, und wieso wir die Art auf die wir Medien konsumieren überdenken sollten.

Artikel und Texte geschrieben von einer Künstlichen Intelligenz

Vor kurzem wurde bekannt, dass die Firma OpenAI ein AI Model kreiert hat, welches darauf trainiert wurde, Texte zu verfassen. Die Verwendung ist kinderleicht: Man füttert die Anwendung mit wenigen Sätzen und das Programm „GPT-2“ ergänzt diesen Input mit weiteren Passagen. Der Output war bei Tests so erstaunlich gut, dass sich das Team dahinter dazu entschlossen hat, ihre Forschungsergebnisse zurzeit noch nicht zu veröffentlichen, da die Konsequenzen eines solchen Tools in der Öffentlichkeit noch nicht abgeschätzt werden können.

Unter der Haube ist GPT-2 ein „unsupervised language model“, welches mit 40GB an Text trainiert wurde, um Vorhersagen über die nachfolgenden Wörter zu treffen. Durch die allgemeine Aufgabe des Models, basierend auf dem existierenden Text das nachfolgende Wort zu finden, kann es auch für ähnliche Aufgaben eingesetzt werden –  unter Anderem zur Beantwortung von Fragen, zum Zusammenfassen von Texten und für maschinelle Übersetzungen. Mit 1,5 Milliarden (!) Parametern ist die Komplexität des Models enorm, was sich auf die ausgezeichneten Testergebnisse niederschlägt. Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte einen Blick auf einige veröffentlichte Beispiele werfen und für sich entscheiden, ob man einer Maschine das Verfassen der dort gelisteten Texte zugetraut hätte. Interessierte können zusätzlich einen Blick auf einen Teil des Codes und das dazugehörige Paper werfen.

Videos

Die Manipulation von Medien beschränkt sich keineswegs nur auf Texte. Auch bewegte Bilder können mit den richtigen Tools inzwischen einfach verändert werden, wie im folgenden Video zu sehen ist.

Wie man sieht, ist es mit einfachen Mitteln möglich, Menschen Worte in den Mund zu legen und somit Verwirrung zu stiften. Wenn man nun eine Flut an verschiedenen Videos hat, da jeder in der Lage ist diese in Kürze zu erstellen, was kann ich dann noch glauben? Wie können sich die Nachrichtenagenturen sicher sein, welche Videos glaubhaft sind und welche nicht? Es werden Mittel entwickelt, um solche „Deepfakes“ zu erkennen und bis jetzt ist in den meisten Fällen grundsätzlich noch erkennbar, ob ein Video von einer AI kreiert wurde oder legitim ist. Die Technologie entwickelt sich allerdings stetig weiter und wir können nur mutmaßen, wo wir in ein paar Jahren stehen werden.

Es gibt auch andere verstörende Einsatzgebiete für die Technologie, mit der dieses Video erstellt wurde. So musste Anfang letzten Jahres ein Forum geschlossen werden, da die Community begonnen hat, Porno-Videos mit Gesichter von Prominenten zu überlagern.

Menschen, die gar nicht existieren

Diese Person die wir hier sehen, existiert eigentlich gar nicht. Das Foto wurde über die Website https://thispersondoesnotexist.com (Nvidia) von einer künstlichen Intelligenz generiert. Im Hintergrund wird hier mit Generative Adversarial Networks (GANs) gearbeitet, einem relativ neuen Konzept im Bereich Machine Learning. Für alle technisch Interessierten ist hier ein weiterführender Link.

Wenn wir in Zukunft nun also haufenweise 5-Sterne Produktrezensionen von „echten“ Kunden sehen, sehen wir vielleicht nur generierte Bilder und generierte Texte, die aber trotzdem sehr glaubhaft erscheinen – um nur einen von vielen möglichen Anwendungsfällen zu nennen.

Fazit

Man könnte hier noch weitere Beispiele aufzählen, allerdings zählen die genannten zu den plakativsten und beeindruckendsten, die zurzeit existieren. Die Technologie rund um künstliche Intelligenz entwickelt sich auf alle Fälle sehr rasant und kann breit eingesetzt werden.

Nach dem Lesen dieses Artikels denkt ihr euch vielleicht, dass wir dieses „Artificial Intelligence Ding“ mit Mistgabeln davonjagen sollten, wenn die Zukunft doch so düster aussieht. Aber das ist nicht unbedingt das Gefühl, mit dem ihr diesen Blog verlassen solltet. Jede Technologie kann missbraucht werden um Schaden anzurichten, aber in den meisten Fällen bringen uns Technologien wie die künstliche Intelligenz im Alltag auch viel Gutes. Ob in der Medizin, der Wirtschaft, der Forschung, der Lehre… es gibt kaum Bereiche wo wir keinen Nutzen aus intelligenten Systemen ziehen können.

Also seid offen für neue Technologien aber seid euch auch bewusst, was alles durch sie ermöglicht wird. Geht deshalb mit offenen und auch kritischen Augen durch die Welt, wenn ihr das nächste Mal einen Artikel im Internet lest oder ein Video auf euren sozialen Netzwerken teilt.

Disclaimer: Dieser Blog wurde NICHT durch eine künstliche Intelligenz geschrieben, versprochen 😉

Mathis

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Mathis

Some say, that being a vegetarian, Mathis doesn't get enough nutrients. But he still has enough energy to constantly satisfy his hunger for new things and expand his knowledge. In his free time, you can usually find him in lofty heights - on his slackline or hanging from his paraglider.