Der CodeFlügel Innovationsprozess

Endlich ist es soweit, der Innovationsprozess von CodeFlügel ist fertig und wie Claus schon in seinem letzten Blog angekündigt hat, werde ich euch ein paar Einblicke geben. Vielleicht kann der eine oder andere ja etwas für sich oder seine Firma mitnehmen.

Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Innovationsprozess beschäftig. Eine immer wiederkehrende Frage dabei ist: Warum in so einer kleinen Firma einen dezidierten Prozess für Innovationen einführen? Als indirekte Antwort möchte ich euch kurz die Geschichte von Blockbuster und Netflix erläutern.

Motivation

Anfang der 2000er Jahre war Blockbuster wie in den Jahren davor der absolute Marktführer im Bereich Videothek mit tausenden Filialen in den USA. Mit über einer Milliarde US Dollar auf der hohen Kante kann einem Unternehmen eigentlich nichts passieren. Zudem war der Besitzer zu dieser Zeit Viacom, ein riesen Medienkonzern, der sogar ein eigenes Film-Studio vorweisen konnte. Mit so viel Geld und Einfluss, kann man doch viele coole Dinge machen und extrem innovativ sein, oder? Möchte man meinen… Blockbuster schaffte es mit ihrer sogenannten „Late-Fee“ den falschen Kunden zu verärgern. Und zwar Reed Hastings. Dieser Name mag dir nichts sagen, aber das Unternehmen, das er mit Marc Randolph gegründet hat, kennst du sicher: Netflix. Hastings verspürte einen Kundenwunsch, den Blockbuster einfach nicht erfüllen wollte: Weg mit den Late-Fees und her mit einem Abonnement. Kurz erklärt, man kann erst wieder einen Film ausborgen, wenn man den vorherigen zurückgegeben hat. In Kombination mit der Zusendung der Filme über den Postweg, war der Grundpfeiler für ein erfolgreiches Unternehmen geschaffen. Netflix verzeichnete großes Wachstum und Blockbuster kam ins Wanken. Das Unternehmen war so starr und überzeugt von ihrer Vormachtstellung, dass es Netflix einfach zu ignorieren versuchte. Innerhalb weniger Jahre wuchs Netflix so stark an, dass Blockbuster gezwungen war auch die Zusendung über den Postweg anzubieten. Nun dachte jeder, die kleine Firma von Hastings und Randolph sei dem Tod geweiht und der Blockbuster Konzern würde wieder den gesamten Markt übernehmen. Aber dem war nicht so. Blockbuster scheiterte nach einem kurzen Aufschwung nur wenige Jahre später und ging unglaublicherweise bankrott – und Netflix schoss durch die Decke.

Im Nachhinein betrachtet sieht man an diesem Beispiel sehr stark, dass die jetzige Situation am Markt nicht unbedingt die von Morgen ist. Ständige Verbesserungen und Innovation sind fast schon ein Must-Have um über lange Zeit wettbewerbsfähig zu bleiben. So auch bei CodeFlügel! Damit war das Grundbedürfnis für einen Innovationprozess gegeben und ich durfte mich damit intensiver beschäftigen.

Der Prozess

Wenn ich jetzt eine Umfrage stellen würde „Was bedeutet Innovation für euch?“, dann würde ich verschiedenste Antworten erhalten. Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Wissenschaft liegt keine eindeutige Definition vor. Die einen verstehen Innovation als etwas Bahnbrechendes, etwas das das Leben so wie wir es kennen grundlegend verändert. Beispiele dafür wäre das Smartphone oder das Auto. Für andere ist Innovation etwas Neues, egal ob groß oder klein, Hauptsache ein Vorteil lässt sich erkennen. Das beste Beispiel dafür ist die Smartphone-Industrie. Jedes Jahr kommen Massen von neuen Modellen auf den Markt, die „innovative“ Features aufweisen. Die Veränderung bleibt gering, aber ist stetig und belebt den Markt enorm. Schritt Nummer eins ist also, in der Firma selbst eine klare Definition für den Begriff „Innovation“ festzulegen. Daraus ergibt sich dann das Ziel für den Prozess und lässt den Input und Output leichter abgrenzen.

Ein Prozess lässt sich ziemlich simpel erklären. Wird ein definierter Input zu einem definierten Output verwandelt und das mit Hilfe einer sachlogischen Abfolge von Aktivitäten, dann spricht man von einem Prozess. Im Falle Innovationsprozess sind diese Inputs – auch Impulse genannt – Ideen aus dem Team oder von Partnern und können von technischer, markt-basierter oder externer Natur sein. Die Unterschiede der verschiedenen Impulstypen könnt ihr gerne in Claus‘ Blog nachlesen. Ziel ist es, diese Impulse aufzubereiten, zu filtern, zu bewerten und schlussendlich umzusetzen. Graphisch abgebildet (wie im Bild weiter unten) ähnelt es einem Trichter (oder einem String Tanga, wie man es sieht :-D), der Impulse als Input bekommt, verschiedenste Operationen ausführt und schlussendlich interne Projekte oder andere Entscheidungen zur Folge hat.

Der Innovationsprozess mit den verschiedenen operativen Abschnitten

Neben den operativen Aktivitäten, dürfen jene der Organisation, Planung und Überprüfung nicht vergessen werden. Jeder bewusst laufende Prozess sollte mit Key-Performance-Indicators (KPIs) überprüft und bewertet werden. Damit stellt man sicher, dass die Effizienz nicht unkontrolliert verloren geht. Weiters müssen Rollen und Entscheidungskompetenzen verteilt werden, damit in der Decision-Phase keine Verwirrung entsteht. Zu guter Letzt sollte ein Budget für den Prozess geplant und auch eingeplant werden. Die Aktivitäten benötigen Geld, Zeit und Ressourcen in Form von Know-How.

Wenn all das gegeben ist und man etliche Stunden in die Erstellung und Definition des Prozesses investiert hat, sollte doch alles passen, oder? Nein, denn noch fehlt ein wichtiges Puzzlestück und zwar die Innovationskultur, die gelebt werden muss. Der beste Prozess kann nur so viel Output generieren, wie er Input bekommt. Wenn eine gesunde Innovationskultur im Unternehmen vorhanden ist, dürfte es kein Problem sein, immer wieder neue Ideen zu generieren. Falls nicht, steht an Nummer eins auf der ToDo-Liste, diese Kultur zu verankern. Wie man so ein Verhalten fördert und welche Tricks es gibt um Motivation ins Team zu bringen, würde jetzt den Rahmen des Artikels sprengen. Eventuell gibt es in Zukunft einen separaten Artikel darüber.

Fazit

Wie das Blockbuster vs. Netflix Beispiel gezeigt hat, ist heute nicht gleich morgen. Die heutige Vormachtstellung durch Technologie kann morgen als veraltet erachtet werden. Um diesem Problem Abhilfe zu schaffen und ständig neue Ideen zu kreieren und umzusetzen, benötigt es einen Innovationsprozess. Dieser sollte nicht nur lieblos niedergeschrieben und ins interne Wiki gepostet, sondern auch tagtäglich gelebt werden. Ressourcen sollten eingeplant und die Entscheidungsträger davon überzeugt sein. Dann heißt es nur noch abwarten und spannende neue Ideen und Projekte genießen.

Stefan

About the author

Stefan

Despite having had an aversion to Apple products for years, Stefan eventually joined the team as an iOS developer. After having had to endure a lot of mockery by his friends and family ("what about I'll never be an Apple user!?"), he's now quite happy with his decision and wants to learn everything there is to know about Swift and such. If he has nothing going on at work or university, Stefan enjoys strength training and listening to music.