VR für die Nische und AR für die Masse

Vor allem Virtual Reality erlebt gerade einen großen Hype und bekommt auch viel Zuspruch in den Mainstream-Medien. Meiner Meinung nach ist Augmented Reality aber die Technologie, die wesentlich mehr Potential für den Massenmarkt bietet und die auf lange Sicht auch besser angenommen werden wird. Warum ich das denke, will ich dir natürlich auch gleich erzählen.

virtual reality vs augmented reality

Augmented vs. Virtual

Falls du dir noch nicht ganz sicher bist wo da genau der Unterschied liegt, macht das gar nichts. Hier nochmal die kurze Zusammenfassung: Bei Virtual Reality wird versucht, eine komplette Szene bzw. eine Umgebung komplett virtuell nachzubilden. Dabei wird der Anwender so weit wie möglich von der Realität entkoppelt, um möglichst tief in die virtuelle Welt eintauchen zu können. Technisch wird Virtual Reality mittels sogenannten VR-Headsets (z.B. Oculus Rift oder HTC Vive) realisiert. Im Gegensatz dazu versucht Augmented Reality sich möglichst nahtlos in die reale Welt einzufügen. AR versucht nicht, dem Benutzer eine komplett virtuelle Welt vorzutäuschen – AR ergänzt die reale Welt durch digitale Inhalte (augmented = erweitert).

Die soziale Komponente

Die soziale Akzeptanz ist extrem wichtig, wenn eine Technologie im Massenmarkt Erfolg haben soll. Meiner Meinung nach wird Augmented Reality längerfristiger als Virtual Reality Akzeptanz im öffentlichen Einsatz finden. Der Benutzer interagiert bei Virtual Reality, wie bereits erwähnt, gar nicht mehr mit der realen Welt. Deswegen wird Virtual Reality eher zuhause im privaten Umfeld als im öffentlichen Raum Einsatz finden. Da Augmented Reality die reale Welt nur erweitert, ist es immer noch möglich mit andern Menschen zu interagieren, was den Einsatz im öffentlichen Raum ermöglicht.

pokemon-go

Um ein brandaktuelles Beispiel zu nennen: stell dir vor, die zahlreichen Pokémon Go Spieler würden statt mit ihren Smartphones nur noch mit VR Headsets durch die Gegend laufen… Das wäre vermutlich nicht sehr kommunikationsfördernd, von meinen Bedenken zur Sicherheit im Straßenverkehr ganz zu schweigen. Ich denke, ein Grund warum dieses Spielprinzip so gut funktioniert ist die Tatsache, dass man sich dabei durch die reale Welt bewegt und dort mithilfe von Augmented Reality die niedlichen Pokémon Tierchen sozusagen in freier Wildbahn fangen kann.

Stolpersteine für AR

Die ersten Kritiker höre ich jetzt schon aufschreien: „Aber die Google Glass war ja auch nicht gerade ein Erfolg!“ Und ja, das stimmt – die erste Augmented Reality Brille für den Massenmarkt ist tatsächlich spektakulär gescheitert, weil sich Menschen massiv in ihrer Privatsphäre verletzt fühlten, sobald eine Google Glass in ihrer Nähe benutzt wurde. Aber meiner Meinung nach war daran nicht der Augmented Reality Teil des Gerätes, sondern schlicht und ergreifend die Kamera schuld.

Für die meisten Menschen ist es einfach sehr irritierend und auch einschüchternd, wenn ihr Gegenüber ständig eine Kamera auf sie richtet. Da auch nicht ersichtlich ist, ob diese gerade eingeschaltet ist oder nicht. Wenn man während eines Gespräches ständig die Kamera des Smartphones auf sein Gegenüber richten würde, hätte dies exakt denselben Effekt. Wenn man die Google Glass ohne Kamera bauen, wäre man zwar immer noch ständig abgelenkt, aber in der heutigen Welt der Smartphones und Smartwatches nehmen wir das inzwischen einfach hin.

Was den Vormarsch von AR auch ein bisschen aufhält, ist dass VR prinzipiell technisch einfacher ist als Augmented Reality. Bei AR sollten man virtuelle Objekte in der realen Welt möglichst überzeugend platzieren. Dazu muss man die Position der virtuellen Gegenstände andauernd (60 mal pro Sekunde bei 60 fps) neu berechnen und korrigieren, was sehr rechenaufwändig ist. State-of-the-Art Algorithmen (z.b. NFT = natural feature tracking) suchen sich dazu im Bild “markante” Punkte und verfolgen (tracken) diese. Anhand dieser Punkte und unter der Zuhilfenahme weiterer Sensoren (Kompass, Gyroskop) werden die virtuellen Objekte so im Bild platziert, dass der Eindruck entsteht sie wären irgendwo im Raum. Zusätzlich zu diesem sehr aufwändigen Tracking, müssen die virtuellen Objekte in möglichst realistischer Grafik dargestellt werden.

Stolpersteine für VR

Bei Virtual Reality wird, wie gesagt, auch eine möglichst realistische und komplett neue virtuelle Welt erschaffen. Das aber weniger problematisch ist. Während der Nutzung wird zwar auch die Position des Benutzers bzw. die seines Kopfes getrackt, jedoch geschieht dies unter Zuhilfenahme von z.B. speziellen Leuchtdioden auf den Virtual Reality Headsets. Und die hängen meistens an einem Computer mit entsprechender Rechenleistung. Augmented Reality wird idealerweise auf mobilen Geräten benutzt, die im Gegensatz dazu nur einen Bruchteil der Rechenleistung haben. Des weiteren ist im mobilen Einsatz auch der Akkuverbrauch ein ständiges Problem. (Hier werden mir die Pokémon Go Spieler unter euch wieder zustimmen).

Was bedeutet das für die Zukunft?

Ja, Augmented Reality ist den Kinderschuhen sicher noch nicht ganz entwachsen. Insgesamt betrachtet bin ich aber der Meinung, dass AR im professionellen Umfeld die Technologie der Zukunft ist. Ich denke, Virtual Reality wird besonders – und dafür umso stärker – im Bereich Spiele Fuß fassen. Die Eigenschaft des vollkommenen Abkoppelns des Benutzers von der realen Welt ist gleichzeitig die größte Stärke und auch Schwäche. Dass in dieser Technologie nebenher auch viel finanzielles Potential steckt, zeigen unter anderem auch die Bemühungen der großen Firmen wie z.B. Facebook.

Als Basistechnologie für professionelle Anwendungen bietet Augmented Reality einfach mehr verschiedene Einsatzmöglichkeiten vom Marketing bis hin zu aufwändigen Architektur- und Industrievisualisierungen. Aber bis sich Augmented Reality so richtig auf dem Massenmarkt durchsetzt, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Im Gegensatz zu Virtual Reality, wird dieser Prozess glaube ich weniger mit einem großen Knall passieren, sondern eher schleichend sein. So wird Augmented Reality nach und nach Einzug in viel mehr Bereiche unseres Lebens nehmen. Ohne dass die Technologie dabei als solche wahrgenommen wird.

Die Entscheidung zwischen Augmented und Virtual Reality ist aber auch nicht unbedingt ein entweder-oder. Natürlich haben beide Technologien großes Potential und werden früher oder später sicher wichtige Rollen in unserem alltäglichen Leben spielen. Was genau diese Rollen sind, bleibt momentan noch abzuwarten.