Ist eine Watch smarter als eine Brille?

In diesem Beitrag berichte ich dir von zwei Projekten aus der Praxis, bei denen Smartwatches zum Einsatz kommen. Im ersten Fall als adäquater Ersatz für SmartGlasses, und im zweiten Beispiel als leistungsfähige Ergänzung zu einer bestehenden App.

cfsmartwatch

Im ersten Beispiel, von dem ich dir erzählen möchte, hatten wir die initialen Gespräche mit einem großen Logistikunternehmen mit Sitz in der Steiermark schon vor gut drei Jahren. Damals war die Idee, Lagermitarbeiter mit Smartglasses auszustatten, und sie damit mit Infos zu versorgen. Es war geplant, ihnen die laufenden Aufträge zuzuteilen und sie über die Position der Produkte und die Anzahl der ein- oder auszulagernden Waren zu informieren. So gut die Idee war, so untauglich war leider auch die Umsetzung in der Praxis.

Bereits in der Evaluierungsphase wurde klar, dass sich keine der auf dem Markt befindlichen Brillen für den Praxiseinsatz eignet. Die in den schönen Marketingvideos versprochenen Anwendungsfälle waren allesamt nett anzusehen, aber das war es dann auch schon. Akkulaufzeit, Displaygröße, Tragekomfort und einiges mehr waren für einen Dauereinsatz in einer 8-Stunden Schicht niemandem zuzumuten. Und diese Situation hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verbessert.
Somit wurde das Projekt bereits nach der Evaluierungsphase auf Eis gelegt.

Der zweite Versuch

Vor gut einem Jahr haben wir das Thema gemeinsam wiederbelebt. Diesmal mit Smartwatches statt mit Smartglasses als Device für die Anzeige der Daten für die Mitarbeiter. Klar wird damit der ursprüngliche UseCase von ständig vor dem Auge sichtbaren Infos für den Mitarbeiter nicht ganz erfüllt, aber es handelt sich dennoch quasi um die angestrebte HandsFree Lösung.

Die Infos über Lagerort und Stückzahl der Produkte werden vom Backend direkt auf die Smartwatch gebracht, und können dort vom Mitarbeiter auch bestätigt bzw. bearbeitet werden. Sollte zum Beispiel nicht die geforderte Anzahl an Artikeln auf diesem Lagerplatz verfügbar sein, wird diese Information ins System übernommen und darauf reagiert.

Ein weiterer Vorteil den die Uhr bietet, ist die direkte Interaktionsmöglichkeit, so wie man sie auch vom Handy kennt. Bei der Brille funktioniert das in der schönen Marketingwelt natürlich per Sprachbefehle. Aber Umgebungslärm und mangelnde Offlinefähigkeit lassen diese Phantasie in der Realität schnell wie eine Seifenblase zerplatzen.

Diese Smartwatch Lösung ist nun seit gut einem Jahr im Einsatz.
In der Praxis bedeutet das, dass jeder Mitarbeiter ein Smartphone und zwei Smartwatches zur Verfügung hat. Die zweite Uhr dient als Backup, falls ein Mitarbeiter einmal vergisst seine Uhr aufzuladen. In dem Fall kann er direkt die zweite Uhr verwenden, ohne irgendwelche Ein- oder Umstellungen vornehmen zu müssen.

Die Gespräche mit den Anwendern zeigen uns, dass die Uhr für diesen Anwendungsfall eine ausgezeichneten ‚Ersatz‘ für die Brille darstellt.
Sie ist flexibler einsetzbar, die Bedienbarkeit ist den Benutzern bekannt, da sie diese 1:1 von ihren Handys kennen. Das tragen einer Uhr ist für die meisten Personen wesentlich angenehmer, als das tragen einer Brille. Abgesehen von jenen Personen die von sich aus schon Brillenträger sind – für diese gab und gibt es allerdings bisher auch keine zufriedenstellend AR-Brille.

Schädlingsbekämpfung mit der Smartwatch

Im zweiten Fall, von dem ich dir erzählen möchte, handelt es sich um eine Neuentwicklung, bei der die Watch zur Vereinfachung des Workflows herangezogen wird. Konkret geht es um die Implementierung einer App für die Schädlingsbekämpfung. Dies ist im laufenden Betrieb vor allem eine präventive Tätigkeit.

Das heißt es werden unterschiedliche Fallen aufgestellt, und diese müssen regelmäßig kontrolliert werden. Im besten Fall (und das ist bei einem Großteil der Fallen der Regelfall) wird bei diesen Kontrollen festgestellt, dass alle Fallen ohne Befall sind. Somit muss entsprechend dokumentiert werden, welcher Mitarbeiter welche Falle zu welcher Zeit kontrolliert hat. Und eben genau dieser UseCase lässt sich mit einer Smartwatch perfekt abbilden.

Die Fallen sind in der App auf der Uhr aufgelistet. Sie müssen vom Mitarbeiter lediglich als befallfrei bestätigt werden. Und für den Fall, dass eine der Fallen doch nicht befallsfrei ist, weil zum Beispiel eine Abortfliege in der Falle gefunden wurde, kann die Art und das Ausmaß des Befalls auch direkt über die Watch ins System eingegeben werden. Abschließend wird noch der Endbericht in der App generiert, an das System zurückgemeldet und auch direkt an den Kunden und das Backoffice verschickt.

Sind nun Smartwatches smarter als Smartglasses?

Das sind aus meiner Sicht zwei wunderbare Anwendungsfälle für den Einsatz von Smartwatches. Diese haben wie bereits erwähnt einige gravierende Vorteile gegenüber den Smartglasses. Ich denke, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis Smartglasses die technische Reife haben, um in den gewünschten Anwendungsgebieten zum Einsatz zu kommen, die uns seit einigen Jahren kommuniziert werden.
Aus meiner Sicht gibt es allerdings eine Reihe von Anwendungsfällen, die Ursprünglich für Smartglasses definiert wurden, und die durch den Einsatz von Watches tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden können.

Und wenn in ein paar Jahren die Smartglasses den notwendigen Wirkungsgrad für den breiteren Einsatz haben, kann man dann, wenn es sinnvoll ist, auch diese Anwendungen gut auf die Smartglasses portieren. Und wie die Praxis zeigt, gibt es schon jetzt eine große Anzahl an Anwendungsfällen, in denen die Smartwatches ihre Praxistauglichkeit beweisen.

Klar könnte man nun die Diskussion starten, ob eine Uhr nun ein ‚HandsFree‘ arbeiten ermöglicht oder nicht. Aber darauf möchte ich mich an dieser Stelle eigentlich gar nicht einlassen. Sie ist unbestreitbar einfach in der Anwendung und erreicht bei Personen die keine Uhren tragen definitiv höher Akzeptanz als Brillen bei nicht Brillenträgern.

Die Vorteile liegen ganz klar auf dem Handgelenk

Die Watch erweitert die Einsatzmöglichkeit von Mobilen Apps um ein weiteres Anzeige- und Eingabegerät. Die Akkulaufzeit für eine 8-Stunden-Schicht ist mehr als ausreichend. Die Interaktion ist unabhängig von Umgebungsgeräuschen und die Verwendung ist intuitiv.

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