Navigierbare 360° Panoramen: Eine Liebesgeschichte

Für meine Masterarbeit habe ich während der letzten paar Monate einen immersiven, navigierbaren Panoramaviewer für Google Cardboard erstellt. Nun möchte ich dir ein bisschen von meinem Projekt erzählen und davon warum ich es so sehr liebe und wie es die Art wie du die Welt siehst verändern könnte.

Google Cardboard

Als erstes erzähle ich dir, wie ich vor einigen Monaten überhaupt zu CodeFlügel gekommen bin und wie die ganze Geschichte ihren Lauf nahm. Aber hast du eigentlich überhaupt schon einmal von Google Cardboard gehört. Ich meine, wenn du unseren Blog verfolgst, hast du das natürlich. Als ich zum ersten mal davon gehört habe, hat mich die Idee von einem Stück Pappe, das dein Smartphone in eine VR Brille verwandeln kann, einfach umgehauen. Ich will dir jetzt nicht versuchen einzureden, dass diese VR Brille z.B. mit der Oculus Rift oder der HTC Vive konkurrieren kann. Ich kenne diese beiden VR Headsets sehr gut und weiß, dass sie es nicht kann. Aber das war gar nicht woran ich als erstes dachte. Ich dachte daran, hochentwickelte Technologie zu Kindern in Entwicklungsländer zu bringen, oder zu Wirtschafts- und Kriegsflüchtlingen, zu Patienten die ihr Krankenbett nicht verlassen können – einfach zu ALLEN! Und von diesem Moment an, wollte ich nur noch eines – ich wollte ein Google Cardboard um dafür etwas Tolles zu entwickeln.

Ich mache wie gesagt gerade meinen Master in IT Security. Aber ich muss zugeben, dass ich mich von Natur aus recht leicht ablenken lasse. Also wechselte meine Begeisterung vom Herunterladen lustiger vertraulicher Daten der NASA in meiner Hacking-Lehrveranstaltung blitzschnell zur Obsession mit dem Google Cardboard. Als ich also nach einem Thema für meine Masterarbeit suchte, wusste ich glücklicherweise sofort  an wen ich mich wenden musste. Ich nahm also Kontakt mit CodeFlügel auf und wir brauchten nicht länger als 15 Minuten um festzustellen, dass wir einfach perfekt zueinander passen. Ein paar Wochen später saß ich dann schon in einem Büro voller Nerd-Spielzeug und freundlicher Leute und begann mein Projekt.

Was die großen Jungs so machen

Unser Forschungsfeld kombiniert die neuesten Erkenntnisse und Entwicklungen aus den Bereichen der Panoramafotografie und Virtual Reality. Dies ist besonders jetzt interessant, wo es gerade einen großen Hype um diese Technologien gibt, der vermutlich durch große Investitionen in Forschung und Entwicklung, sowie durch die große Konkurrenz zwischen den einzelnen Anbietern weiter angestachelt wird.

Ich wette du hast schon einige 360° Fotos und Videos in deinem Facebook Feed auftauchen sehen. Auch Disney bietet schon Panorama-Trailer ihrer Filme an und sogar Netflix hat einen 360° Trailer für ihren neuen Serienhit „Stranger Things“ präsentiert. Und ich denke, das wird in den nächsten Monaten noch mehr in den Mainstream übergehen.

Wie gut kannst du eigentlich einen Stadtplan lesen?

Weil da gibt es ja Leute, die können das unglaublich gut. Und dann gibt es wieder andere die können es einfach überhaupt nicht. Hier ist ein interessanter Artikel dazu. Aber zurück zu meinem Projekt! Wir wissen also, dass zweidimensionale Pläne generell nicht für jeden gut funktionieren. Noch dazu fehlen ihnen einfach viele Informationen über die reale Welt. Diese Informationen findet unser Gehirn aber wiederum sehr hilfreich, um festzustellen ob wir einen Ort nun mögen oder nicht, oder ob es der Ort überhaupt wert ist, dass wir uns an ihn erinnern. Deshalb hatten wir die Idee, 2D Karten durch Panoramafotografie zu ersetzen, indem wir 360° Bilder zu virtuellen Touren zusammenfassen.

Ein kurzer Rückblick: Virtuelle Touren sind in den letzten 10 Jahren immer populärer geworden. Allerdings sind sie oft nicht sehr detailliert oder erfordern eine sehr kostspielige Entwicklung von verschiedenen 3D Modellen. Momentan kann man virtuelle Touren grob in zwei Kategorien einteilen. Einerseits gibt es da Videorundgänge, bei denen der Nutzer keine Interaktionsmöglichkeiten hat und die daher schwer im Gedächtnis blieben. Dann gibt es da noch interaktive 3D Rundgänge, die oft exakte Nachbildungen der physischen Umgebung sind und an die man sich deshalb auch leichter erinnern kann. Allerdings erfordert diese Art von Tour normalerweise eine Erhebliche Investition von Zeit und Geld. Aus genau diesem Grund kam uns die Idee einer virtuellen Tour mit immersiven, navigierbaren 360° Panoramen.

Wie machen wir das möglich?

Wir entschlossen uns, eine App zu erstellen, mit deren Hilfe die User sich virtuell durch das Grazer Fußballstadion bewegen können. Alles was sie dazu tun müssen, ist ihr Handy in ein Google Cardboard zu stecken. Wir sind gerade noch dabei, die User Experience durch Recherche im Bereich Human Computer Interaction (HCI) zu verbessern. Aber momentan lässt sich die App schon voll durch Kopfbewegungen steuern – das heißt man braucht keine zusätzlichen Controller, Gamepads oder Kabel. Die Nutzer werden direkt in die Mitte des Fußballfeldes transportiert und sehen rundherum die Verbindungspunkte (dargestellt durch nummerierte Kugeln) der einzelnen verfügbaren Orte. Wenn man einen der Verbindungspunkte länger ansieht, wird man zum damit gewählten Ort teleportiert.

 

Also wer weiß, vielleicht kannst du dir bald deinen Sitzplatz im Stadion, im Theater oder in der Oper genau so aussuchen. Und dann kannst du dir die Aussicht von dort ansehen, während du eigentlich zuhause auf deinem Sofa sitzt – fast wie Magie!

 

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