HoloLens – Die ultimative AR-Brille?

Die HoloLens ist aktuell in aller Munde. Daher will auch ich bei diesem Thema etwas mitnaschen und meinen Senf dazugeben. Ich hatte in den letzen Tagen zweimal die Gelegenheit die HoloLens selbst auszuprobieren. Hier liefere ich euch nun meine Eindrücke davon.
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Nachdem angesagte Revolutionen ganz selten stattfinden, bin ich ziemlich skeptisch an das Thema herangegangen. Vor allem weil alle bisherigen AR-Brillen auf dem Markt bei weitem nicht das gehalten haben, was vorab in diversen Präsentationen und Marketingvideos versprochen wurde.

Ich werde hier keine Auflistung technischer Details bringen. Die gibt es zu Hauf im Internet zu finden. Ich werde eher meine subjektiven Eindrücke schildern, die ich beim Tragen der HoloLens hatte. Im Wesentlichen vergleiche ich die HoloLens mit anderen auf dem Markt befindlichen AR-Brillen, mit denen ich persönliche Erfahrungen habe:  der GoogleGlass, der Epson Moverio BT-200 und der Vuzix M100.

… und natürlich stelle ich mir die Frage: Sollen wir uns für CodeFlügel so ein Teil auch besorgen?

Nun – dann setzen wir sie mal auf.

Die HoloLens hat ein gepolstertes, verstellbares Kopfband, das gut und einfach auf die jeweilige Kopfgröße angepasst werden kann. Ein weiterer wesentlicher Vorteil der mir persönlich sofort positiv auffällt: Ich kann sie problemlos über meine normale Brille aufsetzen. Das war bis dato immer ein ziemliches Problem für mich. Mit meinen 6 Dioptrien musste ich bisher bei AR-Brillen immer auf meine Kontaktlinsen zurückgreifen, um einen optimalen Seheindruck zu bekommen.

… gut … das Teil ist am Kopf … das Kopfband ist eingestellt … sie sitzt gut … ich sehe scharf … und der Spaß kann losgehen … 

Mein erster Eindruck

Das Display ist kleiner als erwartet. Von der Größe her etwa so wie bei der Epson. Die Qualität erscheint mir hier jedoch wesentlich besser. Vor allem erscheinen die Bereiche in denen das Display nichts anzeigt wirklich transparent. Dadurch ist auch der Übergang am Rande des Displays kaum wahrnehmbar.

Auch die angezeigten Objekte haben eine leichte Transparenz. Dadurch wird der holografische Eindruck zusätzlich verstärkt. (Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Effekt zur Namensfindung beigetragen hat.) Dadurch ergibt sich eine gute Verschmelzung des virtuellen Objektes mit der realen Umgebung. Also die optische Qualität des Displays ist wirklich gut, auch wenn die Displaygröße noch nicht befriedigend ist.

Die Interaktion mit der Szene erfolgt durch ‚Klick-Gesten’, die vor der HoloLens gemacht werden. Diese Gesten werden im Randbereich allerdings nicht erkannt funktionieren nur im zentralen Bereich vor der Brille. Aber dort klappt die Bedienung dafür ausgesprochen gut. Sobald man sich an diese Art der Interaktion gewöhnt hat, und das dauert nur wenige Sekunden, kann man die Szene gut und einfach steuern.

Was absolut positiv auffällt, ist die Stabilität der AR Inhalte. Die Objekte stehen fix in an ihrer Position in der realen Welt, es gibt kein Zittern und kein Wackeln. Die HoloLens rekonstruiert ständig ihre reale Umgebung und liefert eben dadurch diese wirklich beeindruckende Stabilität der virtuellen Szene in der realen Welt – bloody impressive.

Der Tragekomfort

Das Gewicht war für den Zeitraum in dem ich sie getragen habe absolut kein Problem. Meiner Meinung nach kann sie auch über einen längeren Zeitraum hinweg ohne gröbere Nackenverspannungen getragen werden.

Und noch eine Anmerkung zur Akkulaufzeit. Der Akku hält laut Angaben aus gut informierten Quellen über 4 Stunden. Was gegenüber den 20 Minuten die die GoogleGlass bei AR-Anwendungen durchgehalten hat doch eine wesentliche Verbesserung darstellt. Da durch das Kopfband kein direkter Hautkontakt zu der Recheneinheit der HoloLens besteht, gibt es hier auch kein heißes Ohr, so wie es bei der GoogleGlass bei rechenintensiven Prozessen (und das sind AR-Anwendungen nun mal) der Fall war.

Mein Fazit

Ein wirklicher Vergleich zur GoogleGlass und zur Vuzix ist sicher nicht ganz fair. Ich würde diese beiden Brillen eher als Semi-AR-Brillen bezeichnen, da ihre Displays jeweils nur für ein Auge sichtbar sind. Die HoloLens spielt hier alleine aufgrund ihrer Konstruktion in einer anderen Liga.

Der Vergleich zur Epson hinkt aufgrund der ca. 2 Jahre die zwischen der Veröffentlich den beiden Brillen liegen zwar auch etwas, aber dennoch: Die HoloLens hat eindeutig das bessere Display. Sie wird über Gesten gesteuert – somit entfällt das Touchpad und dadurch auch das störende Kabel zur Brille. Sie ist nicht so ‚kopflastig’ wie die Epson bzw. wird diesem Umstand durch das Kopfband wesentlich besser Rechnung getragen. Und die Stabilität der Positionierung der Szene schlägt alles was ich bisher auf diesem Gebiet gesehen habe.

Wie viel Marketing steckt wirklich in den Marketingvideos?

Nun, es gibt von der HoloLens, wie auch von allen anderen AR-Brillen am Markt beeindruckende ‚Anwendungsvideos’. Dazu sei nur so viel gesagt:

Marketing ist Marketing und Realität ist Realität. Das ist auch hier nicht anders. All jene, die jemals eine AR-Brille selber getragen haben, und den eigenen Eindruck mit diversen Marketingvideos verglichen haben, wissen was ich meine. Für alle anderen: Nach dem Genuss eines Energydrinks kann man nicht fliegen, eine Oma kann mit ihrem Krückstock keinen Airbag auslösen, und die Sache mit dem begehbaren Kühlschrank voll Bier kommt im wirklichem Leben auch nur ganz selten vor. Sprich: Marketing und Realität gehen meist nicht Hand in Hand.

Trotzdem hat die HoloLens in meinen Augen großes Potential. Sie hat gegenüber den bisherigen AR-Brillen einige entscheidende Vorteile. Und diese werden in den nächsten Evolutionsstufen wohl noch eklatanter werden.

Also ich denke wir werden uns so bald wie möglich eine organisieren. Und sobald wir sie haben, werdet ihr ganz sicher hier als erstes davon erfahren. 😉