How To: Event-Livestreaming

Kürzlich fanden die GameDev Days 2018 in Graz statt (als stolzer Sponsor mit dabei: CodeFlügel!) und alle Talks und Panels der 3-Tages-Konferenz wurden über Twitch live an das internationale Publikum gestreamt, für alle die nicht dabei sein konnten. Beim nächsten Event, Präsentation oder Konferenz also auf jeden Fall Livestreaming in Betracht ziehen! Es ist nicht einmal besonders schwer, wie ich euch in diesem (und meinem persönlichen) Blog zeige.

GameDev Days Graz by mrfoto.at

Sogar auf der Konferenz selbst wurden die Vorträge lokal in die Räume der Spielemesse und in die Networking-Bereiche gestreamt. Dadurch wurde die Reichweite des Events deutlich erhöht und auch mit den Aufnahmen der Streams kann man im Nachhinein das Marketing verbessern.

Vorbereitung

Natürlich bedarf es ein bisschen was an Vorbereitung. Hauptsächlich betrifft das das Equipment, die Entscheidung des Streaming-Service, alles aufzubauen und natürlich das Promoten des Streams im Vorhinein. Die wichtigsten Zutaten sind auf jeden Fall eine Kamera, ein Mikrofon für die Soundübertragung und ein PC oder Laptop mit einer schnellen Internetverbindung um das beste Live-Erlebnis bieten zu können. Auf der Softwareseite benötigt es nur einen Streaming Service (z.B. Twitch) und eine Streaming Software, aber dazu komme ich später noch.

Die Einzelteile

Die Kamera

Die Kamera ist natürlich für das Aufnehmen der Bilder zuständig, obwohl es natürlich auch möglich wäre nur Sound aufzuzeichnen, wie ein Podcast quasi. Nachdem ein Bild aber „mehr als tausend Worte“ sagt, werden wir auch eine Kamera verwenden. Grundlegen sollte die Kamera über HD-Auflösung verfügen und man sollte sie an den PC anschließen können. Am billigeren Ende der Preisklasse reicht dafür meist schon eine Webcam der aktuellen Generation.

Günstige Einsteiger Webcam für Livestreaming

Webcams wie diese sind eine meistgenutzte Variante für diesen Anwendungsfall, da die Auflösung üblicherweise nach unten skaliert wird bevor das Bild zum Streaming Service gestreamt wird, also benötigt man die höchste Auflösung meist gar nicht. Man sollte allerdings die Treiber und die Software der Kamera im Vorhinein überprüfen, ob man die Videoqualität ändern kann. Komplett von Autobelichtung oder -kontrast abhängig zu sein ist nicht der beste Anfang für hohe visuelle Qualität. Eine wesentlich bessere Variante wären DSLR oder spiegellose Kameras, welche alle diese Anforderungen erfüllen. Allerdings besteht bei diesen die Gefahr, dass sie überhitzen und sich plötzlich und ohne Vorwarnung abschalten, da sie nicht für lange Aufnahmezeiten gedacht sind. Camcorder auf der anderen Seite sind genau für solche Zwecke gedacht und sind eine gute Wahl für Livestreaming.

Beispiel für Camcorder für Livestreaming

Falls dem Budget keine Grenzen gesetzt sind, gibt’s nach oben hin eigentlich keine Einschränkungen. Allerdings gebe es auch die Möglichkeit eine Kamera zu mieten, was man durchaus in Betracht ziehen kann, um nicht sein ganzes Geld für eine Kamera auszugeben.

Mikrofon

Obwohl ein normales USB-Mikrofon vermutlich ausreichen wird, zahlt es sich hier aus mehr zu investieren, da eine gute Soundqualität essentiell für einen qualitativ hochwertigen Stream ist. Ob ihr den Audio Input (aux-in) oder den USB-Port verwendet, ist euch überlassen. In unserem Setup haben wir eine externe Audiokarte verwendet, um die einzelnen Aufnahmegeräte aufzuzeichnen und zu mixen. Ein guter Start ist das Audio-Signal des Sprechers aufzuzeichnen bevor es über die Lautsprecher ausgeben wird. Ein zweites Mikrofon das Fragen aus dem Publikum oder den Applaus aufzeichnet ist auch empfehlenswert. Man sollte allerdings sicher gehen den Sound gut zu mixen oder auf Mono zu skalieren, wenn man streamt, da man als Zuhörer sonst den Sprecher auf einem Ohr und das Publikum auf dem anderen Ohr hört, wenn man Stereosound aktiviert hat.

Laptop

Jeder PC oder Laptop reicht aus, wenn er nicht zu alt ist. Je mehr Rechenleistung, desto besser, man möchte schließlich keine Framedrops oder zeitliche Verzögerung, nur weil der PC nicht leistungsstark genug ist, um in hoher Qualität zu streamen. Das Betriebssystem hängt von der Streaming Software und den Hardware-Treibern ab. Die meisten Streaming-Apps laufen auf Windows, MacOS und sogar Linux. Allerdings schadet es nicht zu überprüfen, ob die Hardware-Treiber (Kamera, Mikrofon, Soundkarte, etc.) auch auf diesem Systemen laufen, da ohne die nichts geht. Und natürlich benötigt man eine schnelle Internetverbindung mit hohem Upload-Speed. Weiters sollte die Verbindung auch sehr stabil sein, eventuell sollte man auf eine Kabellösung umsteigen und nicht auf kabellos. Gerade auf Konferenzen oder Messen kann es sein, dass sich mehrere WLAN-Netzwerke in die Quere kommen und so keine stabile Internetverbindung zustande kommt.

Streaming Service

Heutzutage gibt es eine große Zahl an Streaming Services. Die größten und bekanntesten sind sicher Twitch.tv und YouTube live. Welchen Anbieter man wählt, hängt größtenteils vom Content ab, den man streamen möchte als auch vom Zielpublikum. Twitch startete eigentlich als Streaming Plattform für Gamer, bietet heute aber alle möglichen Kategorien an, von Spieleentwicklung bis hin zu Kochshows oder Talkshows. Auf YouTube sind die Streams ein bisschen allgemeiner, allerdings gibt es auch eigene Streaming Services für Nischen wie Künstler oder Spieleentwickler. Es ist inzwischen auch möglich, direkt auf Instagram, Facebook oder Twitter live zu streamen, was den Vorteil hat, dass man eine schon vorhandene Zielgruppe erreichen kann.

Streaming Software

Es gibt viele verschiedene Streaming Software Anbieter. Diese Liste gibt einen kleinen Überblick. In den letzten Jahren hat sich allerdings „Open Broadcast Software“ als eine der meist genutzten Softwarelösung etabliert.

Streaming Software „OBS“

Es ist auf Windows, MacOS und Linux verfügbar und lässt den User den kompletten Streaming Prozess kontrollieren. Angefangen beim Aufsetzen des Streams über das Mixen der verschiedenen Video- oder Audioquellen bis hin zum „Streamoverlay“, welches ein Overlay ist, dass die wichtigsten Infos, Logos, etc. bezüglich des Events zeigt. Wenn man eine „HDMI capture card“ verwendet, ist es auch möglich direkt die Folien des Vortrags in den Stream neben dem Kamerabild einzubauen, wodurch das Streaming-Erlebnis wesentlich verbessert wird. Sobald die Software konfiguriert ist, kann man z.B. automatisch zu Twitch streamen. OBS bringt sogar sein eigenes „Helper Tool“ mit, welches einem Hilft die Richtigen Einstellungen für das jeweilige Streaming-Setup zu finden. Es beachtet sogar die Spezifikationen der Hardware, den Up- und Download-Speed sowie die Kodierungs-Spezifikationen. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass mit der Streaming-Software das direkte Speichern des Streams auf der Festplatte möglich ist. Die meisten Anbieter ermöglichen ein Runterladen des Streams nach dem Ende, allerdings wird hier die gestreamte Qualität gespeichert, während beim direkten Speichern auf der Festplatte die Datei vor der Kodierung geschrieben wird, was in einer höheren Qualität endet.

Streaming

Wenn alles aufgebaut und eingestellt ist, kann man mit dem Livestream beginnen. Man sollte einen Testlauf machen bevor man Live geht, um sicherzustellen, dass der Stream auch auf anderen Geräten sicher läuft. Während des Streamen sollte man immer kontrollieren ob alles flüssig funktioniert. Man sollte auch jeden Speaker oder Diskussionsteilnehmer fragen, ob Livestreaming für sie OK ist. Manchmal ist es nötig, den Stream stumm zu schalten oder zu pausieren, falls ein Sprecher Information über z.B. ein unveröffentlichtes Projekt Preis gibt, welche nur für das Publikum vor Ort zu hören sein sollten. Genau deswegen sollte man vorher immer nachfragen, ob Streamen OK ist. Die meisten Streaming Services bieten auch Möglichkeiten der Interaktion mit dem Publikum, z.B. über einen Chat oder dergleichen. Kommunikation mit der Community erhöht die Attraktivität des Livestreams. Zum Beispiel kann man auch Fragen während einer Q&A Session nach einer Präsentation vorlesen. Es erhöht das Interesse am Thema des Vortragenden und die Zuschauer freuen sich, dass ihre Stimme gehört wird und die Zuschauerzufriedenheit wird deutlich erhöht, eine Win-Win Situation.

Twitch-Seite der GameDev Days Graz

Nach dem Streamen

Bevor der Stream gestoppt wird, sollte man seinen Zusehern noch einige abschließende Worte sagen, entweder direkt im Stream oder im Chat. Man kann z.B. Informationen zum Event oder zu Socialmedia Kanälen in den Chat posten, damit die Zuseher immer UpToDate bleiben. Man sollte auch nicht aufs Stoppen des Streams vergessen und man sollte das lokal gespeicherte File checken, ob alles gut gegangen ist. Um sicherzugehen kann man auch noch den gespeicherten Stream beim Anbieter, z.B. Twitch, runterladen. Man nimmt dann einfach dieses File her und kann es entweder aufgeteilt oder als ganzes z.B. auf YouTube oder vimeo veröffentlichen.

Zusammenfassung

Wie ihr seht, es gibt einiges auf das man beim Streamen achten muss, aber ich hoffe dieser Guide hilft ein bisschen diese Hürden zu meistern. Letztendlich zahlt es sich aus und kann euer Event noch viel besser machen. Viel Spaß!