Die 5 wichtigsten Smartwatch Plattformen für Entwickler

Für Konsumenten ist eine Unzahl an Artikeln und Ressourcen verfügbar um zu entscheiden welche Smartwatch am besten für die Bedürfnisse geeignet ist. Während wir bei CodeFlügel zwar auch Konsumenten sind, so sind wir doch an erster Stelle Entwickler und haben uns deshalb die Smartwatch Landschaft aus der Entwicklerperspektive näher angeschaut.

 

Smartwatch Landscape 2016

(c) gizmag.com

Für diesen Artikel ist eine aktualisierte Version verfügbar!

Was uns als Entwickler zu Allererst interessiert ist die Plattform, die die Hardware verwendet. Wir haben fünf Plattformen als die in Zukunft wichtigsten identifiziert:

  • watchOS, das Betriebssystem der Apple Watch
  • Android Wear, das Android Spin-Off für Smartwatches
  • Tizen, das von Samsung präferierte Betriebssystem
  • Android als nicht abgespeckte Variante auf einer Smartwatch
  • Pebble OS, das Betriebssystem der Pebble Smartwatches

Während zwischen den Plattformen momentan noch eine sehr wichtige Unterscheidung getroffen werden kann, werden diese Grenzen in der Zukunft wohl verschwimmen:

  • Smartwatch als companion device: watchOS, Android Wear, und Pebble OS sind hauptsächlich darauf ausgelegt in Kombination mit einem Smartphone verwendet zu werden.
  • Smartwatch als stand-alone device: Einzig Tizen und Android Smartwatches können auch als komplett eigenständige Geräte ohne verbundenes Smartphone operieren.

Was für Features kann man als Entwickler nutzen?

Mit einigen Ausnahmen kann man derzeit als Entwickler die folgende Anzahl an Features von einer Smartwatch erwarten:

  • Touchscreen und/oder Buttons
  • Vibration, Mikrofon, Herzfrequenzmessung (ECG/PPG), Lichtsensor
  • WiFi, Bluetooth 4.0, NFC Connectivity
  • Staub- und Spritzwasserschutz
  • 4 bis 8GB Onboard Speicher
  • Gerätsabhängig Auflösungen von 272×340, 320×320, 312×390, bis zu max. 360×480
  • Austauschbare Armbänder

Einige Smartwatches verzichten auf ein oder zwei der oben genannten Features, andere fügen Zusatzfeatures wie folgend hinzu:

  • GPS, Bluetooth 4.1, andere Sensoren (e.g. Barometer, …)
  • Zusätzliche Bedienelemente wie Force Touch, Digital Crown, Rotating Bezel, Gestensteuerung
  • Zusätzliche Stand Alone Features
  • Möglichkeit, Apps nativ auf der Uhr laufen zu lassen
  • Displayform anders als rechteckig oder quadratisch, z.B. rund oder gebogen

Sehen wir uns die erwähnten Smartwatches einmal genauer an, beginnend mit watchOS.

watchOS

Die Apple Watch selbst kommt mit einer Vielzahl an Features, und mehr. Aus der Entwicklerperspektive allerdings werden einige dieser Features nicht für Drittentwickler bereitgestellt und die Benutzbarkeit der Apple Watch als Stand-Alone Device ist stark eingeschränkt. Während Apple mit der Einführung von watchOS 2 viele der Mängel der Launchversion behoben hat, bleiben NFC und Bluetooth APIs Drittentwicklern verschlossen. Es ist damit jetzt die Möglichkeit gegeben, Apps nativ auf der Smartwatch laufen zu lassen. Allerdings muss jede Uhr mit einem iPhone verbunden sein und mehrere gleichzeitige Pairings sind nicht möglich. Entwickeln kann man für watchOS mittels Swift oder Objective-C. Außerdem  benötigt man einen Apple Developer Account, Xcode und das WatchKit SDK.

watchOS Smartwatch Entwicklung

(c) digitaltrends.com

 

Android Wear

Android Wear ist der Spin-Off von Android für Wearables und Smartwatches und kann von Smartwatch Herstellern frei verwendet werden. Es gibt eine große Zahl an Smartwatches mit Android Wear, wie beispielsweise die Motorola Moto 360, LG G Watch, LG Watch Urbane, LG Watch R, Asus Zenwatch 2, Sony Smartwatch 3, und die Samsung Gear Live. Kürzliche Verbesserungen der Plattform haben Drittentwicklern wesentlich mehr Freiheiten geschenkt. Es ist jetzt möglich, Apps nativ auf der Smartwatch laufen zu lassen, zur Cloud und zum verbundenen Smartphone über verschiedene WLANs hinweg zu kommunizieren (solange die Uhr über Internetzugang verfügt). Während es jetzt möglich ist, die Bluetooth API zu verwenden, scheint die NFC API derzeit nicht implementiert zu sein. Eine Android Wear Smartwatch kann mit einem Android oder iOS Gerät verbunden werden, und auch mehrere Smartwatches können gleichzeitig mit einem Android Gerät verbunden sein. Um für Android Wear zu entwickeln benötigt man Android Studio mit dem Android Wear SDK und Java als Programmiersprache.

Android Wear Smartwatch Entwicklung

(c) Ben Greenwood

 

Tizen

Tizen wird (hauptsächlich) von Samsung unterstützt und läuft daher auch nur auf einigen von Samsung hergestellten Smartwatches. Während Tizen derzeit für Konsumenten wenig Spannendes bietet, schaut es für Entwickler sehr vielversprechend aus. Drittentwickler haben Zugang zum kompletten Tizen API Stack, inklusive NFC und Bluetooth APIs. Tizen Smartwatches können mit Android, iOS und Tizen Geräten verbunden werden und unterstützen sogar Standalone Funktionalität, abhängig vom Modell. Entwickeln kann man mittels dem Tizen SDK, welches auf Eclipse basiert, sowie HTML5, CSS, JavaScript, C und C++.

Tizen Smartwatch Entwicklung

(c) businesswire.com

 

Android mit Omate TrueSmart+

Nur wenige Smartwatch Hersteller haben sich dazu entschlossen, Android als vollwertiges Betriebssystem zu verwenden, aber es gibt sie. Während der Unterschied zwischen Android auf dem Smartphone und auf der Smartwatch gering ist, leidet die User Experience am Smartwatch darunter, dass die Bedienung als solches nicht für so geringe Displaygrößen ausgelegt wurde. Ein gutes Beispiel einer Smartwatch mit Android ist die Omate TrueSmart und ihre Nachfolger. Aus der Entwicklerperspektive unterscheidet sich das Entwickeln von Smartphone Apps nur durch die Einschränkungen der Displaygröße. Entwickelt wird mit Android Studio und Android SDK sowie Java.

Android Smartwatch Entwicklung

(c) androidcentral.com

 

Pebble OS

Pebble OS ist ein bisschen der Außenseiter unter den Plattformen. Die Pebble Smartwatches haben alle ein E-Ink Display, keinen Touchscreen und Bluetooth, aber kein WLAN. Sie sind alle dafür ausgelegt in Verbindung mit einem Smartphone verwendet zu werden und können mit Android und iOS Geräten verbunden werden. Allerdings kann nur jeweils eine Uhr gleichzeitig verbunden sein. Während das Entwickeln für Pebble auf mehrere Arten möglich ist, muss immer ein Teil der App auf dem verbundenen iOS oder Android Gerät und ein anderer in Pebbles eigener Companion-App auf dem Gerät laufen – außer es handelt sich um eine sehr simple Smartwatch App. Entwickelt wird mit dem Pebble SDK und mittels C oder JavaScript. Abhängig von der Anforderung an die Companion-App auf dem verbundenen Smartphone wird auch Objective-C und/oder Java benötigt.

Pebble OS Smartwatch Entwicklung

(c) getpebble.com

 

Fazit

Nach dem Betrachten der verschiedenen Plattformen muss gesagt werden, dass es hauptsächlich von den Anforderungen abhängt, welche Plattform für das jeweilige Unterfangen am geeignetsten ist. Für komplexe Apps, die Zugang zu Hardware Features und/oder Standalone Funktionalität benötigen, scheinen Tizen und Android am besten geeignet. Pebble, Android Wear und watchOS funktionieren am besten in Kombination mit einem verbundenen Smartphone. Durch die kontinuierliche Verbesserung der Plattformen werden die für Drittentwickler zugänglichen APIs sicher wachsen, aber derzeit fühlt sich das Entwickeln für eine Smartwatch an wie eine Entscheidung für eine der großen mobilen Plattformen, Android oder iOS.

Bilder von digitaltrends.com, Ben Greenwood, businesswire.com, androidcentral.com, getpebble.com, gizmag.com

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