Die 4 wichtigsten Smartwatch Plattformen 2019 aus der Sicht eines Entwicklers

Im Jahr 2016 haben wir bereits einen Entwickler-orientierten Blick auf die Smartwatch Landschaft geworfen. Jetzt haben wir dem Thema 3 Jahre Zeit gegeben um sich weiterzuentwickeln und um hier und heute erneut die Landschaft der Smartwatch-Betriebssysteme und deren modische Hüllen mit unserem Blick zu bewerfen.

Smartwatches gibt es in einer Vielzahl von Ausbaustufen und Varianten. Neben den dort verbauten Hardwarekomponenten wird deren Funktionsumfang zu einem großen Teil auch von der Liste von Apps auf der Uhr bestimmt. Diese Liste muss irgendjemand befüllen und da kommen wir Entwickler ins Spiel. Primär soll so eine Uhr die Möglichkeit bieten, gewisse Tätigkeiten einfacher und schneller zu durchführen zu können. Die Use-Cases dafür reichen vom Benachrichtigungen Lesen über das Bezahlen mit der Uhr bis hin zur Kommissionierung im Warenhaus. Was auf welcher Uhr wie umsetzbar ist, möchten wir logischerweise im Vorhinein wissen, deshalb sehen wir uns die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten vorher an und das werden wir im Zuge dieses Blogs jetzt mal tun.

Im Fokus stehen folgende Betriebssysteme, die auf aktuellen Uhrenmodellen vertreten sind:

  • – Wear OS (Google)
  • – watchOS (Apple)
  • – Tizen (Samsung)
  • – Fitbit OS (FitBit)

Genauer gesagt werden wir uns die folgenden Fragen zu den einzelnen Plattformen stellen:

  • – Wie entwickelt man Apps für das Betriebssystem?
  • – Wird zwingend zusätzlich zur Uhr ein Smartphone benötigt?
  • – Welche aktuelle Hardware ist verfügbar und was bietet sie?

Wear OS

Das Smartwatch-Betriebssystem von Google gibt es seit 2014. Bis 2018 wurde es als „Android Wear“ bezeichnet, was darauf hindeutet, dass es sich um die Smartwatch-Variante von Android handelt. Genauer gesagt, basiert die aktuelle Version von Wear OS (2.6) auf Android 9.0 Pie. Wie für Android typisch, ist es auch bei Wear OS so, dass es eine breit gefächerte Liste an Hardware-Herstellern gibt, die Uhren mit diesem Betriebssystem ausliefern (z.B. Asus, Casio, Diesel, Michael Kors, Fossil, LG, …).

Wie entwickelt man Apps dafür?

Apps für Wear OS werden grundsätzlich mit denselben Mitteln entwickelt wie Apps für Android Smartphones, d.h. man entwickelt entweder in Java oder Kotlin in Android Studio und verwendet die von der Android SDK zur Verfügung gestellten Funktionalitäten. Darüber kann man auf die diversen Sensoren der Uhr zugreifen, interaktive Benutzeroberflächen für den quadratischen oder runden Touchscreen bauen und mit dem Smartphone oder auch gleich direkt mit dem Internet kommunizieren. Wer also Android Smartphone Apps entwickeln kann, hat auch wenig Probleme eine App für Wear OS zu entwickeln.

Wird zwingend ein Smartphone benötigt?

Nicht unbedingt. Für das Einrichten und konfigurieren der Uhr zu Beginn, ja. Bis Wear OS 2.0 war eine begleitende Smartphone App zwingend auch für den Betrieb von Smartwatch Apps notwendig. Seit 2.0 ist es auch möglich, eine komplett eigenständige Smartwatch App zu implementieren, die z.B. die Kommunikation mit dem Internet selbst übernimmt und über den auf der Uhr vorhandenen Play Store installiert werden kann. Vorteile bringt ein begleitendes Smartphone aber trotzdem, da dessen Internetverbindung im Fall von fehlendem Wifi auf der Uhr über Bluetooth automatisch geteilt wird.

Verfügbare Hardware + Features?

Hier ein kleiner Auszug aus der WearOS-Uhren-Liste:

Fossil Sport
Prozessor: Snapdragon Wear 3100
Speicher/RAM: 4GB/512MB
Akku: 350 mAh
Display: 390×390
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, NFC, Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor, Gyro

Skagen Falster 2
Prozessor: Snapdragon Wear 2100
Speicher/RAM: 4GB/1GB
Akku: 415 mAh
Display: 320×320
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, NFC, Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor, Gyro

Ticwatch E2
Prozessor: Snapdragon Wear 2100
Speicher/RAM: 4GB/512MB
Akku: 415 mAh
Display: 400×400
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, Herzfrequenzmesser, Beschleunigungssensor, Gyro

watchOS

Das Smartwatch Betriebssystem von Apple ist mittlerweile in Version 5 angelangt und Version 6 wurde erst vor kurzem auf der jährlichen WWDC (Entwickler Konferenz) vorgestellt. Die erste Version wurde 2015 veröffentlicht und seitdem hat sich einiges getan. Apple hat die App Liste auf der Uhr stetig erweitert und auch die Hardwareperformance hat sich über die Generationen der Apple Watch signifikant verbessert.

Wie entwickelt man Apps dafür?

Wie Wear OS ist auch watchOS sehr ähnlich wie sein Smartphone-Geschwister iOS, wenn es um die Entwicklung von Apps geht. Programmiert wird entweder in Objective-C oder Swift unter Verwendung von Xcode zum Zusammenbauen der Apps. Das Toolkit, das alle verfügbaren Geräte-Funktionen zugänglich macht, heißt in diesem Fall WatchKit. iOS Entwickler finden sich also in dieser gewohnten Umgebung sehr schnell zurecht.
Leider sind nicht alle Funktionen der Hardware auch für Dritt-Entwickler zugänglich. Die NFC Funktion der Uhr ist zum Beispiel nur von Apple selbst verwendbar und wird für Apple Pay oder digitale Kundenkarten verwendet.

Wird zwingend ein Smartphone benötigt?

Bis vor kurzem war es noch so. Auch hier wird wieder für die grundsätzliche Anwendung und das Setup ein iOS Gerät benötigt. Gestern wurde auf der WWDC jedoch watchOS 6 vorgestellt und ab dieser Version ist ein iOS-Begleitgerät nicht mehr zwingend zusätzlich zu einer selbst entwickelten App notwendig. Da man diese komplett unabhängig laufenden Apps auch irgendwie auf die Uhr bekommen muss, wird in der neuesten Version von watchOS auch der App Store integriert sein. Sollte man doch eine Begleit-App für die Uhr implementieren wollen, ist das nur auf iOS möglich, da die Apple Watch nicht (bzw nicht wirklich sinnvoll) mit Android Smartphones kompatibel ist.

Verfügbare Hardware + Features?

watchOS ist nur auf der Apple Watch verfügbar. Das aktuelle Modell ist Series 4, welches in einer Variante mit und einer ohne LTE Modul verfügbar ist. Die genauen Specs sind hier nochmal aufgelistet:

Prozessor: Apple dual-core 64-bit S4
Speicher: 16GB
Display: 448×368
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, NFC, Herzfrequenzmesser, Force-Touch Display, Beschleunigungssensor, Gyro

Tizen

Tizen basiert, wie WearOS, auf Linux und wird nicht nur für Smartwatches verwendet. Samsung kündigte 2014 den Einsatz von Tizen auf einem ersten Smartwatch Modell, der Gear 2, an. Seitdem hat sich die Liste der Tizen-Smartwatches auch vergrößert, in diesem Fall werden alle Modelle von Samsung angeboten.

Wie entwickelt man Apps dafür?

Wer will App für Tizen backen, der muss haben diese Sachen: Tizen Studio, Tizen SDK und entweder Web-Technologie (HTML5, CSS, Javascript) oder C Kenntnisse. Wer eher aus der .NET Welt kommt und mit C# und Visual Studio entwickeln will, kann aber auch damit backen.

Die genannten Entwicklungsmethoden sind hier auch nicht rein auf die Entwicklung von Smartwatch Apps ausgelegt, sondern können auch für Smartphone oder Smart-TV Apps angewandt werden. Man sieht/liest also schon, dass die Entwicklungsmethoden recht breit gefächert sind, was natürlich den Zugang für Entwickler sehr vereinfacht. Der Kreativität sind hier auch wenig bis keine Grenzen gesetzt, da man über die SDK sehr flexibel ist, was den Zugriff auf die diversen Features der verwendeten Hardware betrifft.

Wird zwingend ein Smartphone benötigt?

Auch hier nicht unbedingt. Mit der Tizen SDK können auch Standalone-Apps implementiert werden, die ohne Smartphone arbeiten können. Wenn man eine begleitende Smartphone App bereitstellen will, dann ist das mit einem Android Smartphone und der Samsung Accessory SDK möglich.

Verfügbare Hardware + Features?

Das gesamte Tizen Smartwatch Line-Up kommt von Samsung. Wenn wir nur 2018 und 2019 betrachten, sind die unten angeführten Modelle zu erwähnen:

Samsung Galaxy Watch
Prozessor: Exynos 9110 Dual-core 1.15 GHz
Speicher/RAM: 4GB/1.5GB
Akku: 472 mAh
Display: 360×360
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, NFC, Herzfrequenzmesser, Barometer, Beschleunigungssensor, Gyro

Samsung Galaxy Watch Active
Prozessor: Exynos 9110 Dual-core 1.15 GHz
Speicher/RAM: 4GB/768MB
Akku: 230 mAh
Display: 360×360
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, GPS, NFC, Herzfrequenzmesser, Barometer, Beschleunigungssensor, Gyro

fitbit OS

Dieses eher unbekanntere Betriebssystem ist auf Smartwatches von Fitbit zu finden. Aktuell läuft es auf zwei Modellen in Version 3.0. Die Plattform ist im Vergleich zu den anderen noch relativ jung und Apps von Drittanbietern sind erst seit Ende 2017 über die seit diesem Zeitpunkt verfügbare Fitbit App Gallery verfügbar. Die App Liste hatte also bis jetzt weniger Zeit um zu wachsen. Umso mehr Grund sich anzusehen, wie man eigene Apps für fitbit OS entwickeln kann.

Wie entwickelt man Apps dafür?

Um eine App für Fitbit OS zu entwickeln benötigt man zuerst einen Fitbit Account. So weit so exakt gleich wie bei allen anderen Plattformen. Entwickelt werden Apps in Fitbit Studio, welches einfach über den Webbrowser verwendet werden kann. Vorteil davon ist natürlich das leichtere Setup der Entwicklungsumgebung. Implementiert werden die Apps dann in diesem Studio mit Javascript, HTML5 und CSS. Mit diesen ganzen Tools hat man dann wie bei den anderen Plattformen Zugriff auf die Sensoren der Uhren, baut Benutzeroberflächen und kommuniziert nach außen.

Wird zwingend ein Smartphone benötigt?

Wenn die Fitbit Uhren als reiner Fitness Tracker verwendet werden, nein. Um zusätzliche Apps auf die Uhren zu laden, muss man diese aus der Fitbit App Gallery holen, die nur über die separate Fitbit App am Smartphone zur Verfügung steht. Die Apps für die Smartwatch an sich funktionieren jedoch alleinstehend und es gibt das Konzept einer zusätzlichen Begleit-App im eigentlichen Sinn nicht.

Verfügbare Hardware + Features?

Uhren mit diesem Betriebssystem gibt es nur von Fitbit, die zwei aktuellen Modelle sind die Folgenden:

Fitbit Versa
Prozessor: nicht bekannt
Speicher: 2.5 GB
Akku: 145 mAh
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, NFC, Herzfrequenzmesser

 

Fitbit Ionic
Prozessor: ARM Cortex M4
Speicher: 2.5 GB
Akku: 145 mAh
Sonstiges: Bluetooth, WLAN, NFC, GPS, Herzfrequenzmesser

Fazit

Wenn man sich den Marktanteil der einzelnen Smartwatch Hersteller ansieht, ist klar zu erkennen, dass Apple hier die Nase gehörig vorne hat.

Quelle

Für die Wahl der Smartwatch Plattform ist aber trotzdem immer noch der Use-Case und das Zielpublikum der zu implementierenden App ein ausschlaggebender Punkt.