Augmented Reality für Nicht-Techniker

Wir haben hier ja schon so einiges zu Augmented Reality (AR) Anwendungen berichtet, aber es gibt unter unseren Lesern sicher noch den einen oder anderen der sich fragt: „Was steckt hinter AR und wie sinnvoll ist das Ganze wirklich?“ Wenn das auch auf dich zutrifft, solltest du jetzt unbedingt weiterlesen. Aber keine Angst, auch wenn du mit Technik eigentlich überhaupt nichts am Hut hast, ist dieser Artikel genau der richtige für dich.

So, damit du siehst dass ich nichts falsches versprochen habe, ist hier gleich mal die ganze Wahrheit: ich hatte früher mit Technologie auch nichts am Hut. Bevor ich bei CodeFlügel gearbeitet habe, hatte ich keine Ahnung, dass es so etwas wie Augmented Reality überhaupt gibt. Während der letzten drei Jahre habe ich aber langsam ein Verständnis und vor allem eine Faszination dafür entwickelt, weshalb ich diese wunderbare Entdeckung jetzt mit dir teilen möchte. Ich bin mir sicher, dass du nicht ganz so lange brauchen wirst um dich mit AR auszukennen, aber dieser Artikel alleine wird vermutlich nicht reichen. Glücklicherweise haben wir für die nächste Zeit einige ähnliche Einträge in Planung, nach denen du Ausschau halten solltest. Aber jetzt legen wir erst einmal mit den Grundlagen los.

Was ist AR und was mache ich damit?

Augmented Reality erweitert die reale Welt mit digitalen Informationen. Im Gegensatz zur virtuellen Realität, bei der man mit einer VR-Brille komplett in die digitale Szene eintaucht, werden Augmented Reality Inhalte mithilfe von Smartphone, Tablet und co. genau dort sichtbar wo sie verknüpft werden. Beispiele dafür finden sich unter anderem in unseren Apps für Hella, Hartl Haus und Seidel. Dort werden etwa digitale Markisen an Hauswänden platziert, dreidimensionale Hausmodelle in Produktkatalogen angezeigt und das Innere eines Fahrzeuges sichtbar gemacht.

seidel-jetflyer-AR

Animierte Fahrzeugteile, Seidel

hella-markisenviewer

Hella Markisenviewer

hartl-haus-3D-modell

3D Modell im Katalog, Hartl Haus

 

 

 

 

Das sind allerdings schon die etwas komplexeren Szenarien – im einfachsten Fall ist Augmented Reality ideal um gedruckte Materialien aufzuwerten und interaktiver zu machen. So kannst du etwa eine sprechende Einladungskarte verschicken, Broschüren mit anklickbaren Links ausstatten oder Produkte aus gedruckten Katalogen zum online-Warkenkorb hinzufügen. Oder du sicherst dir begeisterte Blicke indem du die Bilder in einem Magazin zum Leben erwachen lässt, wie wir das zum Beispiel im folgenden Video gemacht haben.

 

 

„Cool, und was brauche ich dafür?“

Um Augmented Reality Inhalte anzuzeigen brauchst du spezielle Apps, je nachdem welche Inhalte du genau sehen willst. Also anders gesagt, du kannst dir unsere Inhalte bzw. die Inhalte unserer Kunden ansehen, indem du dir diese Apps herunterlädst. Wenn du die AR Inhalte anderer Firmen (z.B. von IKEA oder LEGO) sehen möchtest, musst du natürlich deren Apps verwenden. Im Gegensatz zu dir, braucht die App zwei Dinge: ein Target zum Tracken und Inhalte zum Anzeigen – dann kann es schon losgehen.

„Wie, Target? Was Tracken?“

Ja, stimmt – es ist nicht ganz so einfach wie ich das gerade klingen lasse. Targets, auch Marker genannt, werden als Positionsbestimmung (= Tracking) benutzt. Ein Target ist zum Beispiel ein Produktbild, mit dem digitale Inhalte verknüpft werden können. Das Target dient dazu, den Inhalt an der richtigen Position und in der richtigen Größe anzuzeigen, egal ob es sich um einen Link, ein Bild, ein Video oder ein 3D Modell handelt. Nur mit einem solchen Target  „weiß“ die AR Applikation also, was sie wo und wie anzeigen soll.

Beim Tracking gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei der einfachsten Variante werden QR-Code-ähnliche Targets verwendet. Diese Targets sind zwar perfekt zu verwenden, aber nicht besonders schön anzusehen. Die beste Form ist das sogenannte Natural Feature Tracking (NFT).  Diese Variante verwendet Referenzpunkte in normalen Bildern und auch in Kombination mit Text funktioniert dies besonders gut. Es kann fast jedes Bild verwendet werden, aber das Tracking wird ungenauer, je symmetrischer und geradliniger die dargestellten Formen sind – das ist zum Beispiel bei Firmenlogos oft der Fall. Der Vorteil liegt aber natürlich auf der Hand: die Auswahl an potentiellen Targets ist nahezu unendlich und die Marker fallen dem Betrachter nicht unmittelbar als solche auf. Sie sind also perfekt für Marketingunterlagen geeignet, da das Design darunter nicht leiden muss.

Eine weitere Variante ist beispielsweise Extended Tracking, bei dem das Target nur zur einmaligen Positionsbestimmung verwendet wird, wodurch man den angezeigten Inhalt im Nachhinein beliebig positionieren kann (z.B. ein digitales Möbelstück in seinem Wohnraum). Dann gibt es auch noch 3D Tracking, bei dem ein reales Objekt als Target dient, und das Instant Tracking, bei dem AR Inhalte an einem vom Benutzer frei bestimmbaren Ort angezeigt werden.

marker-tracking

Marker Tracking

natural-feature-tracking

Natural Feature Tracking mit Referenzpunkten

ChairDemo2

Mit Extended Tracking 3D Modelle im Raum positionieren

 

 
 

 
 

 

„Geht’s nicht auch ohne AR?“

Geht schon, ist halt nicht so toll wie mit AR. Ich glaube ja, es stimmt: ein Bild sagt mehr als 1000 Worte – aber ein 3D Modell sagt mehr als 1000 Bilder! Gehen wir nochmal vom Beispiel Hartl Haus aus.  Die Bilder und Grundrisspläne im Katalog sind essentiell um sich das Haus ungefähr vorstellen zu können, aber erst in Kombination mit den Augmented Reality Inhalten hat man auch zuhause auf der Couch das Gefühl, das Haus wirklich besichtigt zu haben. Zusätzlich bietet Augmented Reality auch noch die Möglichkeit die angezeigten 3D Modelle zu verändern und so zum Beispiel zwischen verschiedenen Holzarten, Wandfarben oder Dachformen zu wählen. Ja klar, ich könnte dazu natürlich auch auf die Webseite oder in den Webshop des Unternehmens gehen und schauen ob ich dort mehr Bilder oder andere Produktvarianten finde. Aber wenn ich dazu quasi nur ein Bild im Katalog scannen muss, ist das schon bequemer, oder nicht?

„Warum gerade jetzt und nicht schon früher?“

Weil die Zeit jetzt reif ist! Im Moment ist AR zwar für viele noch ein sehr neues und unbekanntes Thema, aber Forschungen in diesem Bereich gibt es tatsächlich schon seit den 60er Jahren. Die ersten AR Systeme waren allerdings nur stationär, d.h. mit einem fixen Aufbau möglich, und natürlich auch sehr teuer. Gerade in den letzten Jahren hat sich das aber aufgrund der starken Verbreitung immer leistungsstärkerer Smartphones stark verändert. Mittlerweile gibt es viele Handys, die so leistungsstark sind wie Notebooks es vor ein paar Jahren waren. Daher ist es jetzt möglich, AR auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets auszuführen. Nachdem die Hardware also der breiten Bevölkerung ohnedies schon zur Verfügung steht, muss nur noch für die entsprechende Software und den digitalen Content gesorgt werden. Das heißt, je mehr Augmented Reality verwendet wird, desto sinnvoller und wichtiger werden die Anwendungen. Dabei sind wir bereits auf einem guten Weg, denn die Verbreitung von mobilen Augmented Reality Anwendungen ist in den letzten Jahren massiv angestiegen, auch wenn das in der breiten Öffentlichkeit wahrscheinlich noch nicht angekommen ist. Firmen wie LEGO, IKEA, McDonalds, VW und viele mehr setzen in ihren Marketing Kampagnen zunehmend auf AR.

Ich weiß, manche sehen Augmented Reality nur als eine nette Spielerei oder einen mäßig nützlichen Marketing-Gag. Vielleicht war das bisher ja auch deine Meinung, aber nachdem du beim Lesen jetzt ganz hier unten angekommen bist, hoffe ich, dass ich dich mit meinen Beispielen vom Gegenteil überzeugen konnte. Falls du dich dazu noch gerne weiter unterhalten möchtest oder eine deiner Fragen hier unbeantwortet geblieben ist, freue ich mich über jeden Kontakt.