Augmented Reality: vom WOW-Effekt zur Marketing Strategie

Augmented Reality (AR) ist heutzutage den Meisten ein Begriff, aus einer Fiktion wurde Realität und so stellt es keine Hürde mehr dar, digitale Inhalte mit der realen Welt zu verknüpfen. War AR anfangs noch ein nettes Gimmick, erkennen jetzt immer mehr und mehr Unternehmen und Marken das Marketingpotential hinter AR. In diesem Artikel erfährst du, warum jedes Unternehmen über eine Augmented Reality Marketing Strategie nachdenken sollte – denn AR kann so viel mehr als nur zu unterhalten!

Laut Umfragen benutzen 90% der Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 100.000 und 1 Milliarde USD AR oder VR Technologien. Bei Unternehmen mit weniger Umsatz nutzen es rund zehn Prozent. Die Umfrage hat weiters ergeben, dass 72% der Unternehmen planen, AR-Technologien in ihrem Unternehmen zu etablieren.

Die Erweiterung der Realität ermöglicht ein neues Maß an Komfort und Geschwindigkeit und sie kann einen bleibenden Markeneindruck hinterlassen. Somit ist Augmented Reality nicht nur ein neuer Marketingkanal, sondern kann auch zum Markenunterscheidungsmerkmal werden. Augmented Reality bietet eine Erfahrung und wenn diese Erfahrung gut genug ist, dann werden die Kunden ihren Freunden davon erzählen.

Doch Vorsicht! Eine AR-Anwendung zu entwickeln nur um innovativ zu wirken, kann und wird in den meisten Fällen wenig bringen. Augmented Reality als Gimmick zu erstellen bringt nur kurzfristige Aufmerksamkeit und wird kein Unternehmen zum gewünschten Erfolg führen.

Wenn eine AR-Erfahrung eine Marketingkampagne braucht, um Nutzer zu gewinnen, dann macht man etwas falsch. Ist eine AR-Anwendung die Marketingkampagne dann ist es noch viel falscher.

AR ist ein Teil einer gelungenen Marketingstrategie. Diese Technologie entfaltet nur dann ihr volles Potential, wenn von Unternehmen eine markenbezogene Interaktion bereitgestellt wird und eine authentische Kommunikation herrscht. Die Anwendung sollte eine neue Art des Markenengagements bieten. Augmented Reality muss Substanz haben. Sie muss einen Wert haben, eine Geschichte erzählen und eine immersive Erfahrung mit bleibendem Eindruck bieten. All das bietet Augmented Reality nur dann, wenn man sie auch richtig nutzt.

Im Folgenden möchte ich euch drei Beispiele nennen, welche für eine gelungene AR-Anwendung zur Implementierung ein eine AR-Marketingstrategie bedacht werden sollten.

Gamification – längere Beschäftigung mit der Anwendung

Wenn etwas Spaß macht beschäftigt man sich länger damit und je länger sich der Verbraucher mit meiner Marke beschäftigt, desto schneller lande ich im Langzeitgedächtnis des Kunden und werde für ihn relevant.

Eine der ersten Anwendungen, die AR ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht hat war Pokémon Go. Leider verlor diese Anwendung sehr schnell an Popularität, weil sie anfangs sehr schlicht war und in den ersten ein oder zwei Wochen nur wenig neue Funktionen eingeführt wurden. Somit ging der Flow für den Nutzer verloren und das bedeutete, dass die Bildschirmzeitinvestition für den Gelegenheitsspieler zurück ging, weil er sich schlicht und einfach langweilte. Um ein Flow Erlebnis bei einer Anwendung zu schaffen, sollte sie so konzipiert sein, dass der Anwender weder unterfordert noch überfordert ist. Es ist ein sehr schmaler Grat, aber genau diesen gilt es zu treffen, dann werden sich die User auch umso länger mit einer Anwendung beschäftigen.

Was bedeutet das für die Marketer?

Damit AR langfristig wirkungsvoll ist, muss es mehr bieten als einen virtuellen Charakter in die reale Umgebung einzupflanzen. Aus Pokémon Go wurde aber gelernt, dass lokales Marketing und niedliche Avatare eine starke Kombination sind, um Menschen an bestimmte Orte zu locken.

Google hat zum Beispiel auf der I/O 2018 angekündigt, dass die Navigationsfunktion von Google Maps in Zukunft mit visuellen Overlays und einem animierten Leitfaden aufgepeppt wird, damit die Nutzer den Weg leichter finden. Der Grund dafür ist, dass Google erkannt hat, dass sich manche Menschen schwer tun mit dem Karten lesen und der räumlichen Vorstellung. Der kleine Blaue Punkt ist nicht so hilfreich und viele fangen an in irgendeine Richtung zu gehen, um zu sehen in welche Richtung sich der Punkt bewegt. Augmented Reality kann helfen dieses Problem zu lösen, wie im obigen Bild zu sehen ist.

Unternehmen können diese Idee aufgreifen und für sich nutzen. Einkaufshäuser könnten zum Beispiel basierend auf einer Einkaufsliste den optimalen Weg für den Kunden aufzeigen. Gleichzeitig kann das Unternehmen wertvolle Daten über das Nutzerverhalten sammeln und dadurch ein noch besseres Erlebnis schaffen. Restaurants oder Essenlieferdienste könnten Kunden, mittels AR die Möglichkeit geben, die Menüs vorab zu visualisieren. Das Essen könnte so im Vorhinein schon angesehen werden – wie es am Teller aussieht, wie groß die Portionsgröße ist, welche Zutaten drauf sind etc. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Historische Orte könnten mit einem Tor in die Vergangenheit zeigen, wie es zu der damaligen Zeit dort wirklich ausgesehen hat. Mit solchen Beispielen wird Augmented Reality ein wertvoller Teil der Umgebung und erweitert die Realität mit relevanten Informationen. Läden könnten in ihren offline Stores bestimmte Erlebnisse für den Kunden schaffen, man könnte eine AR-Schnitzeljagd im Geschäft machen, wodurch sich der Kunde länger im Laden aufhält. Während dieser Suche im Geschäft können wertvolle Informationen gesammelt werden, weitere Informationen für den Kunden eingeblendet werden etc. Wie jeder Marketer weiß: je länger die Verweildauer in einem Geschäft, desto größer ist der Umsatz den der Kunde hinterlässt.

Der Nutzer hat seinen Daumen auf dem Produkt

IKEA integriert AR perfekt in seine Marketingstrategie, um ein echtes Kundenproblem zu lösen. Die Kunden können im Vorhinein schon verstehen, wie ein Möbelstück in den richtigen Proportionen in ihrem Zuhause aussehen wird. Diese Möglichkeit erlaubt den Kunden, das Produkt in der eigenen Umgebung zu prüfen, so als würden sie es bereits besitzen. Was dazu führt, dass die Rückgabequote massiv verringert wird. IKEA ist nicht allein, es gibt zahlreiche andere Beispiele wie Unternehmen die Macht von AR einsetzen um echte Kundenprobleme zu lösen.

Etwas zu sehen und mit mehreren Sinnen zu erfahren ist viel wirkungsvoller, als es nur mit dem eigenen Verstand zu visualisieren. Mit mehreren Sinnen zu erfahren sendet einen sehr starken Impuls für den „das muss ich haben“ Moment aus. Solche Momente erleichtern nicht nur die Entscheidung, sondern machen das Einkaufen für jeden persönlicher und spaßiger.

Die größte Herausforderung in diesem Fall ist, die Kunden zu informieren, dass es solche Möglichkeiten gibt. Dafür gibt es aber unzählige Methoden, da ist die Kreativität der Marketer gefragt, wie man am besten Aufmerksamkeit für so eine Erweiterung erzeugt. Das Einbinden in bestehende Apps ist hingegen keine technische Hürde.

Das virtuelle „try before you buy“ verbindet die besten Eigenschaften eines offline und online Einkaufs. Es erschließt die Möglichkeit, das Produkt im Kontext der tatsächlichen Verwendung zu zeigen ohne, dass man es physisch vor Ort haben muss. Man kann es also erfahren bevor man es besitzt.

In anderen Marketingkanälen gibt es eine große Lücke zwischen der Erfahrung und dem Produkt. Darüber hinaus bieten die meisten Kanäle nur generalisierte Informationsmöglichkeiten an. Mit AR wird alles erheblich persönlicher, es wird die Erfahrung des Produktes für eine bestimmte Person vermarktet.

Ein neues Level an Storytelling

 Storytelling war bisher sehr abstrakt, es wurden Objekte auf einem Flachbildschirm dargestellt und aufgrund von bestimmten Handlungen dieser Objekte sollten Emotionen hervorgerufen und eine Geschichte erzählt werden. Mittels AR gibt es nun ein mächtiges Werkzeug, welches das digitale Storytelling-Erlebnis vertieft.

An dieser Stelle muss man erwähnen, dass in der virtuellen Realität, der Zuschauer oder Teilnehmer direkt in eine andere Welt eintaucht und diese Form eine ebenso sehr mächtige Art und Weise des Geschichtenerzählens ermöglicht. Der Nachteil hierbei ist aber, dass man den Bezug zur realen Umgebung während dieses Erlebnisses verliert. Außerdem kann es nur stationär oder zumindest nur in einem sehr begrenzten Raum angewendet werden. AR hat diese Hürde nicht, da es in die Realität integriert wird.

Sowohl AR als auch VR können Charaktere zum Leben erwecken. In VR bist du in ihrer Welt, währen mittels AR die Charaktere aus dem Bildschirm in deine Welt eintreten. Augmented Reality hat das Potential so disruptiv zu werden wie es damals das Fernsehen war. Es könnte sich als ganz neues Medium etablieren. Der Grund für diese Annahme ist, dass das Publikum mittels AR nicht mehr nur ein passiver Empfänger einer Geschichte ist, sondern ein aktiver Teil. Er kann mit dem Bildschirm interagieren, es kann zu Orten geschickt werden, es kann aufgefordert werden bestimmte Dinge zu tun und Aktionen auszulösen.

Diese Art des Geschichtenerzählens ist sehr kraftvoll, da durch das erhöhte Engagement und das Erfahren über mehrere Sinne auch mehr Emotionen ausgelöst werden und ein länger anhaltender Eindruck hinterlassen wird.

Fazit:

Ich hoffe ich konnte mit meinem Artikel zeigen, dass AR weitaus mehr ist als nur ein nettes Gimmick für den kurzen WOW-Effekt. Augmented Reality erweitert nicht nur die Realität, sondern sie erweitert auch die Möglichkeiten für das Marketing, um eine noch persönlichere und immersive Erfahrung für den Kunden zu bieten.

AR ist mittlerweile für alle Unternehmen erschwinglich geworden, man muss sich jedoch im Vorhinein ein paar Gedanken dazu machen, sonst wirft man sein Geld natürlich zum Fenster raus. Den meisten Unternehmen fehlt es in diesem Bereich noch an Know-How, dafür gibt es Partner die bei der Umsetzung helfen und schon jahrelange Expertise in diesem Bereich aufgebaut haben (Wie zum Beispiel die CodeFlügel GmbH). Wer jetzt schon anfängt, AR in die Marketingstrategie zu etablieren, kann sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil sichern, sammelt Erfahrungen und lernt selbst, mit der Technologie umzugehen.

Fakt ist: AR ist da, es wird bleiben und es wird alles verändern. Wenn jemand die Chancen jetzt nicht erkennt, dann darf er im Nachhinein nicht jammern, dass er Chance verpasst hat.

Silviu

Über den Autor

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Kommunikation ist Silvius Leidenschaft, deswegen macht er auch den Vertrieb bei uns. Er ist ein klassischer Optimist und sieht das Glas immer halb voll, deswegen kann seine gute Laune ab und zu nerven, aber das ist ihm egal. Silviu ist ebenfalls um einiges nerdiger als er aussieht, in Sachen Marveluniversum, Dragonball und One Piece macht ihm keiner so schnell etwas vor, das guckt er nämlich noch immer mit voller Begeisterung. Eine seiner weiteren Begabungen ist das Merken von unnützen Wissen. Manch einer nennt ihn auch manch einer "Süvipedia", weil vermutet wird, dass er in seiner Freizeit am liebsten in Wikipedia liest.