Augmented Reality und die Usability

Augmented Reality Apps stellen für Nutzer manchmal immer noch eine Hürde dar. Entweder, weil diese Nutzer nicht genau wissen, was sie mit AR eigentlich anfangen sollen, oder weil ihnen die Bedienung der App schwer fällt. Hier aber „Dafür ist die Welt wohl noch nicht bereit!“ zu seufzen und das Handtuch zu werfen wäre voreilig. Viele dieser Hürden lassen sich nämlich mit einigen Usabilty Maßnahmen relativ leicht beseitigen. Und genau dazu haben wir heute ein paar Tipps für dich.

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So, du hast von langer Hand die perfekte Augmented Reality App für dein Unternehmen geplant und entwickeln lassen. Du hast mit AppStore Optimierung dafür gesorgt, dass sie auch gefunden wird und hast somit ziemlich viele Downloads erreicht. Aber leider bekommst du von deinen Kunden immer wieder das Feedback, dass sie nicht wirklich wissen, was sie mit deiner App eigentlich machen sollen? Das sollte natürlich nicht passieren, aber (und da will ich an dieser Stelle ganz ehrlich sein) das kann es sehr leicht, wenn man sich vor bzw. während der Umsetzung nicht genügend Gedanken darüber macht, wie sich die Nutzer in der App zurecht finden und wie selbsterklärend deren einzelnen Funktionen eigentlich wirklich sind.

Und wenn wir schon bei der Ehrlichkeit sind – Augmented Reality ist für die meisten nicht intuitiv. Zumindest noch nicht, weil die Technologie dafür einfach noch nicht lange genug vom Massenmarkt genutzt wird. Als kleines Beispiel: beim Betrachten eines AR 3D Modells gibt es keine klassische Zoom-Funktion. Das heißt, wer das Modell am Bildschirm des Smartphones größer sehen möchte, versucht es mit der gewohnten Touch-Geste und ist enttäuscht, dass das nicht funktioniert. Allerdings müsste man das Gerät nur näher zum Modell hin bewegen um zu „zoomen“, was ja eigentlich noch viel intuitiver sein sollte. Weil wir diese Bedienung am Mobilgerät aber jahrelang quasi umgelernt haben, sagt unser Hirn von vornherein: „Halt, stopp – so geht das aber nicht!“ Deshalb müsen wir uns auch erst wieder an die (eigentlich sehr einfache) Bedienung von Augmented Reality Apps gewöhnen.

Darauf solltest du mit deiner App allerdings nicht einfach warten und hoffen, logisch.  Es gibt einige Hilfsmittel, mit denen du den Nutzern deiner App deren Bedienung erklären bzw. erleichtern kannst. Eine komplette Einführung in das Thema Usability Design will ich dir an dieser Stelle allerdings ersparen – falls du dich für dieses Thema interessierst, kann ich dir wärmstens den Userbrain Blog unserer Freunde von Simplease empfehlen. Hier gebe ich dir tatsächlich „nur“ einige Usability Tipps für deine Augmented Reality App. Dabei geht es einerseits darum, deine Kunden optimal zur App hinzuführen und andererseits darum, sie gut durch die App zu begleiten.

Der Einstieg in die App

Der optimale Einstieg in die App beginnt nicht in der App selbst und auch nicht im App Store, sondern schon dort, wo die App vorgestellt bzw. beworben wird. Natürlich trifft das nicht nur für Augmented Reality Apps zu. Allerdings ist es in diesem Fall besonders wichtig, weil AR, wie gesagt, für den durchschnittlichen Nutzer ja noch nicht so ganz intuitiv ist. Ein Paradebeispiel für die Vorstellung einer Augmented Reality App findet sich im Katalog unseres Kunden Hartl Haus. Neben der Ankündigung, dass es für den Katalog eine Augmented Reality App gibt, ist das folgende Bild zu sehen.

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Das sieht auf den ersten Blick jetzt zwar schön aber vielleicht nicht sehr spektakulär aus. Wer sich allerdings schon einmal damit beschäftigt hat, wie man Augmented Reality veranschaulichen kann, ohne es live vorzuführen, wird diese Illustration sofort zu schätzen wissen. Bei Endkundenapps, wie die Hartl Haus App natürlich eine ist, sind unter den Angesprochenen immer wieder Nutzer, die nicht wissen, was Augmented Reality eigentlich ist oder macht. Und sofern sie nicht gerade zur neugierigen Sorte gehören, werden sie die App auch nicht ausprobieren, wenn sie sich nicht sofort vorstellen können, dass die Anwendung für sie spannend oder nützlich sein könnte. Und mit diesem Bild (das eben auch von einer kurzen textuellen Erklärung begleitet wird), ist man diesem Ziel denke ich schon einen wesentlichen Schritt näher.

Zusätzlich sollte im Katalog (oder eben dort wo das Referenzbild abgedruckt ist) ersichtlich sein, dass das Bild überhaupt ein Referenzbild für Augmented Reality ist. Schließlich sieht das Bild aus wie jedes andere und ist mit freiem Auge (auch für den Experten ;)) nicht als solches erkennbar. Und ich vermute jetzt mal, dass sich in einem Katalog mit 100+ Seiten dein Kunde nicht die Mühe machen wird, sich selbst Seite für Seite auf die Suche nach Augmented Reality Inhalten zu begeben.

Ein guter Auftritt im App Store

Logischerweise werden nicht alle Nutzer über den Katalog (bzw. über andere gedruckte Materialien oder eine Live Vorführung zur App kommen), manche werden sie auch einfach im Apple oder Android App Store finden. Daher solltest du auch hier darauf achten, die App und ihre Anwendung optimal zu präsentieren, sodass jeder gleich weiß, wozu sie gut ist. Dafür stehen dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. In erster Linie sind das natürlich die Beschreibungstexte und die Screenshots. Bei den Texten solltest du auf eine möglichst gut verständliche (nicht zu technische) Erklärung achten. Unterstützt werden sollte diese Erklärung von aussagekräftigen Screenshots, die einerseits die verschiedenen Funktionen und eben auch die genaue Anwendung veranschaulichen. Ganz klar, bei Augmented Reality Apps sollten hier die verschiedenen Augmented Reality Inhalte gezeigt werden. Und es sollte dabei auch gut erkennbar sein, dass es sich um AR handelt – das klingt jetzt zwar logisch, aber es gibt auch hier genügend Beispiele in den einzelnen Stores, bei denen man alleine aufgrund der Screenshots die App nicht als AR App identifizieren könnte.

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Das sollte allerdings erst das Minimum an Information im App Store sein – es gibt seit einer Weile nämlich auch die Möglichkeit, dort gleich ein Video zur App zu veröffentlichen. Wenn du also ein kurzes Video (in annehmbarer Qualität) erstellen kannst, das die Bedienung der App veranschaulicht, solltest du davon unbedingt Gebrauch machen. Als Tipp: zeige im Video nicht nur die tatsächliche Kamera-Ansicht, sondern filme einen Nutzer bei der Bedienung und verfolge diese vom Öffnen des AR Modus und scannen des Referenzbildes bis hin zum Betrachten des AR-Inhalts aus unterschiedlichen Perspektiven, Drehen, Vergrößern, etc. So bietest du dem Besucher im App Store einen Kontext in dem er sich schneller wiederfindet.

Den User in der App abholen

Wenn die App dann installiert ist, sind immer noch nicht alle potentiellen Hürden aus dem Weg geräumt. Jemand der die App zum ersten Mal (oder nach langer Zeit wieder) benutzt, braucht eventuell auch hier nochmals eine kurze Anleitung. Wir empfehlen dazu immer einen Tutorial View, der beim ersten Start der App angezeigt wird. Dort sollte der Nutzer in wenigen einfachen Schritten durch den Prozess geführt werden. Um damit aber niemandem auf die Nerven zu gehen, wird diese Anleitung eben nur beim ersten Start angezeigt und kann auch übersprungen werden. Falls sie später doch noch einmal benötigt wird, lässt sie sich aber über das Infomenü wieder aktivieren.

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Stattdessen kannst du natürlich auch ein kurzes Erklärvideo anzeigen – nachdem du das für den Auftritt im App Store sowieso schon gemacht hast, schlägst du somit zwei Fliegen mit einer Klappe 😉

Hinweise in der App

Genau so wichtig wie eine gute Erklärung, ist gutes Feedback. Damit meine ich, dass in der App nicht einfach nichts passieren sollte, wenn der Nutzer etwas falsch macht oder das Laden einmal etwas länger dauert (was bei großen 3D Modellen und langsamen Internetverbindungen schon einmal vorkommen kann). Ein Ladebildschirm sollte dem Nutzer also auch mitteilen, dass gerade etwas geladen wird und idealerweise sollte auch der Fortschritt z.B. mithilfe eines Balkens angezeigt werden, damit man auch sicher sein kann, dass hier wirklich etwas passiert und die App nicht einfach abgestürzt ist.

Wenn die App nicht offlinefähig ist, der Nutzer aber gerade kein Internet hat und sich im Augmented Reality Modus befindet (also vermutlich versucht, etwas anzuzeigen), sollte er oder sie darauf auch hingewiesen werden. Außerdem könnte beispielsweise ein kurzer Texthinweis eingeblendet werden, wenn man sich zu weit vom Referenzbild entfernt.  Sollen 3D Objekte in Echtgröße im Raum platziert werden, bieten sich vielleicht eine Platzierungshilfe oder Tipps zur Platzierung an.

Im Grunde geht es – offline wie auch in der App – einfach darum, mögliche Verwirrungen der Nutzer zu antizipieren und ihnen so gut wie möglich entgegen zu steuern.

 

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