Augmented Reality – Try before you buy

Pete hat euch in seinem letzten Blog ja schon auf die Neuerungen von Vuforia 7 vorbereitet, ich gehe heute allerdings ein bisschen näher auf die „Ground Plane“ und „Fusion“ Features ein. Aber keine Sorge, ich orientiere mich dabei völlig an der Praxis und es wird nicht zu technisch. Was die Neuerungen bringen – und vor allem was man damit machen kann – könnt ihr also heute in unserem Blog lesen.

Vuforia Ground Plane und Fusion

Standard Augmented Reality Anwendungen kennt inzwischen jeder (zumindest schon mal jeder, der unseren Blog regelmäßig liest/ unsere Apps ausprobiert). Einfach Marker auf den Tisch/ Boden legen, Smartphone/ Tablet drüber halten und drauf los augmentieren. Nicht ganz. Denn Vuforia 7 hat den ersten Schritt um einiges vereinfacht. Mittels Vuforia Fusion und Ground Plane lassen sich Flächen erkennen und (3D-)Objekte beliebig im Raum platzieren. Damit wird Augmented Reality jetzt endgültig massentauglich, und ein paar Anwendungsmöglichkeiten habe ich natürlich auch parat.

Aber zuerst die Frage: warum markerlos?

Der naheliegendste Vorteil: Man benötigt keinen Marker mehr, wie der Name schon sagt. Durch die Flächenerkennung kann man seine Objekte direkt im Raum platzieren, in der richtigen Größe und am richtigen Ort. Die Target-Zettelwirtschaft ist damit Geschichte und Grenzen sind somit nur noch durch physische Objekte wie Wände oder Möbel gegeben. Auch sein neues Haus kann man ohne Marker direkt auf die Wiese stellen. Ein großer Vorteil dabei: dadurch, dass die Position des 3D-Modells immer die gleiche bleibt, kann man sogar schon im Vorhinein durch das Haus gehen und sich die Aufteilung der Innenräume ansehen.

Und falls man plant sich ein Pool in den neuen Garten zu bauen, ist das auch kein Problem. Einfach die Fläche im Garten vor dem Haus auswählen und den neuen Pool hinsetzen. Ein Beispiel dazu findet ihr in diesem Video.

Augmentierter Sonnenschutz

Was nach dem digitalen Auftragen von Sonnenschutz klingt, ist eine Augmented Reality App, mit der man seinen zukünftigen Lichtschutz ganz nach belieben direkt im Wohnzimmer auswählen und konfigurieren kann. Mittels zwei Markern werden der App die Eckpunkte eines Fensters bekannt gegeben und schon befindet man sich direkt im Konfigurator. Bevor man sich seinen neuen Sonnenschutz also bestellt (am besten natürlich direkt über die App), kann man sich im 3D-Konfigurator schon mal einen ersten Eindruck davon verschaffen, welche Modelle und Farben passen könnten.

Dazu wird zum Beispiel ein Plissee am Fenster platziert, und schon kann drauf los konfiguriert werden. Die unterschiedlichsten Behänge, Modelle und Rahmenfarben stehen zur Auswahl und man kann sich bequem von der Couch aus einen Eindruck verschaffen welche Farbe einem am besten gefällt oder wie die Stimmung wirkt, wenn das Plissee zur Hälfte gefaltet ist. Dasselbe Prinzip funktioniert natürlich auch mit Markisen, die an der Hauswand angebracht, konfiguriert und probeweise ein- und ausgefahren werden können, um sicher zu gehen, dass sie möglichst gut in die geplante Umgebung passen und den Schattenwurf zu simulieren.

Ebenso macht dies für den Vertrieb einiges einfacher. Die Kunden müssen nicht im Vorhinein schon die Maße bekannt geben und die Verkäufer müssen keine mehr mitnehmen, was eine enorme logistische Erleichterung darstellt. Im Prinzip kann der Vertriebsmitarbeiter, wenn er genug Ausdauer besitzt, all seine Wege mit dem Rad bestreiten, da er nichts weiter als sein Smartphone oder Tablet benötigt.

Auch hier kann mittels Vuforia 7 völlig auf die Marker verzichtet werden. In der aktuellen Version werden zwar noch keine senkrechten Flächen erkannt, aber wir haben für die Zwischenzeit einfach selbst eine Möglichkeit entworfen, wie Objekte an vertikalen Ebenen angebracht werden können. Näher will ich darauf allerdings nicht eingehen, das bleibt erstmal unser Geheimnis. Man braucht so jedenfalls tatsächlich nur die App und kann, ganz ohne Marker und den unnötigen Aufwand die Marker auszudrucken und anzubringen, alles wie beschrieben ausprobieren.

Durchsichtige Fenster

„Na no na ned“ wird sich jetzt der eine oder andere denken. Allerdings haben wir den Begriff „durchsichtig“ in unserer Internorm App ein bisschen gedehnt. Die App kann nicht nur gut mit Beacons umgehen, sondern auch exzellente 3D-Modelle auf den Bildschirm des Smartphones oder Tablets zaubern.

Mittels Markern wird das jeweils dazugehörige Fenstermodell geladen. So kann man sich einfach die Unterschiede der jeweiligen Fenster ansehen und erfährt, wo die Vorteile liegen und welches Fenster den eigenen Anforderungen am besten entspricht – inklusive Farbkonfiguration des Rahmens. Doch es bleibt nicht nur bei der einfachen 3D Visualisierung. Durch einen Klick aufs Modell wechselt die Ansicht in den Schnittmodus und man bekommt einen genauen Eindruck davon wie unterschiedlich das Innere der verschiedenen Fenster aufgebaut ist und wie es funktioniert. Man kann also durchs Fenster hindurchsehen anstatt einfach nur durchzusehen 😉

Das bietet natürlich ebenfalls einen großen Vorteil für die Kunden. Bevor man sich tatsächlich die ersten realen Modelle ansieht, kann man sich so einen ersten Voreindruck verschaffen – in einem ruhigen Moment von zuhause aus, ohne vorher einen Termin mit einem Vertreter vereinbaren zu müssen. Man blättert lediglich durch den Produktkatalog (oder druckt sich bei Bedarf die Marker aus) und zückt die App. Schon kann man gemütlich zu Hause auf dem Sofa durch die verschiedenen Angebote switchen.

Wenn sich jetzt einige denken „aber da brauch ich ja dann doch wieder Marker?“, dann liegen sie schon richtig. Markerlose Augmented Reality Anwendungen werden nämlich noch längst nicht von allen Smartphones und Tablets unterstützt. Was Vuforia 7 allerdings erstmals möglich macht ist, dass man beide Möglichkeiten (markerbasierte UND markerlose AR) in einer einzigen App vereinen kann. Dieser Schritt ist für Endkunden-Anwendungen natürlich extrem wichtig, da man weder einen großen Teil der Nutzer ausschließen, noch zwei verschiedene Apps anbieten möchte. Nutzer mit unterschiedlichen Endgeräten, können die App also auch unterschiedlich anwenden, erzielen aber dasselbe Ergebnis!

Ist das alles?

Nein, natürlich nicht. Alleine im Wohn- und Einrichtungsbereich gibt es unzählige weitere Anwendungsgebiete. Im Grunde gilt: alle Dinge die man eigentlich vor dem Kauf gerne in ihrer späteren Umgebung sehen möchte (z.B. Möbel), alles was man sich nur schwer aufgrund von Produktmustern vorstellen kann (Böden, Tapeten, Fliesen, …) und alles was zu groß ist als dass es ein Vertreter mitnehmen kann (Kachelöfen, große Elektrogeräte und andere Maschinen, Häuser, Pools, …) kann man mithilfe von Augmented Reality in der echten Welt verknüpfen und so schon vor dem Kauf ausprobieren. Damit ist man sich schon ein Stück sicherer und der Kaufreue ist so möglichst gut vorgebeugt.

Und wie funktioniert das jetzt genau?

Eine Erklärung zum technologischen Hintergrund können und wollten wir uns an dieser Stelle dann doch nicht ganz sparen. Aber keine Angst, es wird nur ganz kurz ein bisschen technischer. Durch das Bestreben der Big Player (Apple und Google) Augmented Reality weiter voran zu treiben, wurden letztes Jahr ARKit und ARCore veröffentlicht, welche markerlose AR unterstützen. Vuforia 7 kann nun mittels Vuforia Fusion auf eben jene AR Lösungen zugreifen, wenn sie auf dem Smartphone/Tablet möglich bzw. vorhanden sind. Sind sie das nicht, wird auf das eigene Framework Vuforia Ground Plane zugegriffen. Das hat den Grund, dass ARKit & ARCore-fähige Geräte zusätzliche Hardware (zweite Kamera, Tiefensensor) besitzen, die für eine höhere Stabilität und bessere Tracking-Qualität sorgen. Es wird also zuerst überprüft ob ARKit oder ARCore auf dem jeweiligen Gerät laufen und dann das benötigte Framework ausgewählt. Somit lässt sich die Liste der ARKit und ARCore-fähigen Geräte um die mit Vuforia Ground Plane funktionierenden Geräte erweitern.

Wenn wir jetzt wieder auf das Beispiel der Internorm App zurückgreifen, wird also klar, warum man trotzdem noch Marker verwendet. Da nicht alle Smartphones und Tablets gleich gebaut sind und die Grundanforderungen für markerlose Augmented Reality erfüllen, wird diese Funktion noch nicht von allen Geräten unterstützt. Da man jedoch auch diesen Teil der Kunden nicht außen vorlassen will, werden immer noch Marker eingesetzt. Ganz nebenbei sorgen vorhandene Printprodukte wie Kataloge, Flyer und Werbeanzeigen für Aufmerksamkeit und bringen neue Nutzer zur App. Daher wird im Printbereich, wo Marker ja auch eine Rolle im Design spielen, diese Variante sicherlich auch zukünftig noch eingesetzt werden.

Was bleibt noch für die Zukunft?

Was auf jeden Fall noch kommen wird, ist die Erkennung von senkrechten Flächen. ARKit 1.5 (derzeit noch Beta-Version) kann es schon, ist eben allerdings noch in der Beta-Phase. Mit diesen Tools wird es dann noch einfacher und aufregender 3D-Objekte mittels AR darzustellen. Und alles Weitere ist derzeit noch great AF – Augmented Future.