Augmented Reality & Shopping

Vom offline-Kauf über e-Commerce bis hin zum AR-Commerce. Wie Augmented Reality das Kaufverhalten und Einkaufserlebnis verändert.

Die Analysten von Gartner erwarten, dass bis zum Jahr 2020 100 Millionen Konsumenten Produkte mittels Augmented Reality (AR) online oder direkt im Laden kaufen werden. So hat Gartner erhoben, dass in den kommenden Jahren 46 % der Einzelhändler planen AR- oder VR- Lösungen in die Customer Journey zu integrieren, um den Anforderungen des erhöhten Kundenservices gerecht zu werden. So erlangt Augmented Reality laut dem Gartner Hype Cycle langsam die Reifephase. Der Hype um die Technologie ist abgeflacht und Unternehmen beginnen, die Technologie strategisch zu nutzen – und zwar nicht nur als „Wow“-Effekt, um innovativ zu wirken. Einzelhändler müssen sich zunehmend der Herausforderung stellen, Konsumenten den Sinn und Zweck von Geschäften zu beweisen. So müssen sie auch beim offline-Kauf den Fokus auf Service und Erlebnisse richten. Augmented Reality bietet den Geschäften eine Möglichkeit ein offline Einkaufserlebnis auf eine digitale Ebene zu heben und Informationen zur Verfügung zu stellen, die über das Produkt selbst am physischen Ort nur schwer transportierbar sind.

Abbildung 1: Gartner Technologietrends

Jede Technologie, die in der Lage ist, das Einkauferlebnis zu verbessern, wird sofort von der E-Commerce-Branche aufgegriffen und für sich adaptiert. Vor allem Technologien, die Kundenerfahrungen auf einer ganz tiefen Ebene ändern, bewirken Revolutionen im Handel. Der Handel ist Wandel und AR bewirkt einen so massiven Wandel, dass früher oder später jedes Unternehmen seinen Kunden diese Art von Erfahrung bieten muss. Denn sobald Augmented Reality von einer Schrittmacherleistung zu einer Basisleistung wird, werden Unternehmen, welche während des Kaufprozesses kein AR anbieten, einen großen Wettbewerbsnachteil haben. Das Potential von AR ist deswegen so groß, weil Endanwender im Gegensatz zu VR keine zusätzliche Hardware benötigen. Ein AR-fähiges Smartphone besitzt heutzutage nahezu jede Person, das erhöht die Akzeptanz der Technologie erheblich. Ein weiterer Faktor für die zunehmende Akzeptanz und Nutzung von Augmented Reality ist der starke Fokus von Apple und Google. So verbessern diese zwei Giganten die Technologie in den Smartphones zunehmend, womit noch bessere AR-Erlebnisse über das Smartphone erstellt werden können. Alle Sensoren, die zusammenspielen, um AR Inhalte zu positionieren und zu visualisieren, waren früher regelrechte „Cent-Artikel“ in den Geräten. Seit das Potential von den beide Riesen erkannt wurde, verbessert sich auch die Qualität und Zuverlässigkeit der Sensoren ständig. Tim Cook sagte in einem Interview mit der britischen Tageszeitung Independent folgendes über AR:

„I regard it as a big idea like the smartphone. The smartphone is for everyone, we don’t have to think the iPhone is about a certain demographic, or country or vertical market: it’s for everyone. I think AR is that big, it’s huge. I get excited because of the things that could be done that could improve a lot of lives. And be entertaining. I view AR like I view the silicon here in my iPhone, it’s not a product per se, it’s a core technology. But there are things to discover before that technology is good enough for the mainstream. I do think there can be a lot of things that really help people out in daily life, real-life things, that’s why I get so excited about it.“

Die Kraft von AR richtig verstehen

Um wirklich zu verstehen, wie Augmented Reality Einkaufserfahrungen beeinflusst und verändert, muss man zuerst die psychologischen Auswirkungen der Technologie verstehen. Dabei spielen 3 unbewusste Faktoren eine Rolle

Ein Gefühl des bereits Besitzens: Wenn Konsumenten sich Produkte in einem relevanten Kontext visualisieren, oder Informationen über bereits bestehende Produkte einblenden lassen, haben sie das Gefühl, dass sie über Informationen bestimmen und das Ruder aktiv in der Hand haben. Sie bestimmen, was sie sehen, wie sie es sehen, von welcher Perspektive und wann sie es sehen. Sie beschäftigen sich aktiv mit einem Produkt und sind in diesem Moment zu 100% darauf fokussiert. Dadurch entsteht ein Bezug zu dem Produkt und sie fühlen sich unbewusst bereits als Besitzer. Projiziere ich mir zum Beispiel eine Couch in mein Wohnzimmer, so habe ich unbewusst das Gefühl als hätte ich sie schon gekauft und sie würde tatsächlich bereits in meinem Wohnzimmer stehen.

Sie sind ein Teil einer Geschichte: Beim Erleben von Augmented Reality Inhalten sind Nutzer ein aktiver Teil einer Geschichte, die sich um ein Produkt dreht. Sie sind nicht mehr passiver Empfänger von Werbeinhalten und Informationen, sondern werden in die Werbung integriert. Sie sind mittendrinnen und nicht mehr außenstehende Beobachter. Diese Aktivierung und Einbindung haben enorme unbewusste Auswirkungen für Konsumenten.

Informationen werden Gehirngerecht dargestellt: Mittels AR haben Unternehmen die Möglichkeit, ihren Konsumenten Informationen gehirngerecht zur Verfügung zu stellen. Für das Gehirn ist es unglaublich anstrengend, sich kontextfremde Informationen in gehirngerechten Botschaften vorzustellen. Relevante Daten können mittels AR zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort im richtigen Kontext zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wird das Einkauferlebnis massiv verbessert und Kunden kaufen dort ein, wo sie das Einkaufen als am angenehmsten empfinden.

Wie verändert AR den E-Commerce?

Materielle Produkte machen einen großen Teil des weltweiten E-Commerce-Umsatzes aus. Dennoch sind E-Commerce-Innovatoren auf der ganzen Welt bestrebt, die größte psychologische Barriere zu überwinden, mit der die Verbraucher beim Einkauf von Produkten online konfrontiert sind. Unvorstellbar viele Verkäufe gehen verloren oder verzögern sich auf unbestimmte Zeit, weil die Käufer nicht in der Lage sind, den Mehrwert des Produkts selbst zu beurteilen und sich das Endergebnis vorzustellen. Augmented Reality schließt diese Lücke deutlich. AR hilft den Nutzern, sich Produkte im Kontext des physischen Raums, in dem sie verwendet werden sollen, zu visualisieren. Das ist ein riesen Schritt für den E-Commerce, um möglichen Kunden die Kaufunsicherheiten zu nehmen und sie so zu einem Kauf zu bewegen. Durch diese Visualisierungsmöglichkeit können sie das gekaufte Produkt bereits im Vorhinein sehen und müssen nicht fürchten, dass es dann in Wirklichkeit gar nicht so aussieht.

Probieren von mehreren Optionen mit minimalem Energie- und Zeitaufwand.

Es gibt immer Situationen, in denen man sich zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden muss. AR bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Optionen einfach und schnell miteinander zu vergleichen. So kann ich mir von zwei unterschiedlichen Anbietern ähnliche Produkte im realen Kontext visualisieren – und das innerhalb von Minuten. Sollte ein Anbieter eine AR Visualisierung gar nicht anbieten, wird er unbewusst ausselektiert. Denn Service gewinnt immer mehr an Bedeutung und Augmented Reality ist ein Service.

Reduzierung von Kaufunsicherheit

Wie bereits erwähnt, ist eine der größten Ursachen warum Onlinekäufe abgebrochen werden die Unsicherheit über das Endresultat einer Kaufentscheidung. Viele Käufer können es schlicht und einfach nicht beurteilen, ob das Produkt auf dem Bild nun tatsächlich so aussieht. Zu groß ist die Angst, Energie in einen Kauf zu stecken, der einen nach dem Erhalt der Ware unglücklich macht und einen, im schlimmsten Fall, für die Rücksendung erneute Energie kostet. Bei einer Rücksendung verlieren beide Parteien. Der Konsument aufgrund einer negativen Einkaufserfahrung und das Unternehmen, da ihm Retournierungen bares Geld kosten. Augmented Reality ist mittlerweile so weit, dass Produkte nahezu fotorealistisch visualisiert werden können. So können Unsicherheiten mittels AR vor allem beim Onlineshopping massiv reduziert werden. Man gibt Kunden mit AR ein Instrument in die Hand, mit dem Endergebnisse viel besser dargestellt werden können. Sie können sich Produkte detailreicher ansehen bevor sie sich für eine Kauf entscheiden, dadurch werden Retouren reduziert. Eine win-win Situation: besserer Service für den Kunden, weniger Retouren für das Unternehmen und dadurch auch mehr Gewinn.

Digitales Marketing wird durch AR gestützt

Social Media Marketing ist bereits von großer Bedeutung für E-Commerce-Unternehmen. AR bietet Unternehmen eine zusätzliche Marketingwaffe, um den Kampf der sozialen Medien zu gewinnen. Ein paar Marken motivieren die Kunden bereits heute, nutzergenerierte Inhalte über AR-Apps zu erstellen. Mehrere Marken haben bereits erfolgreiche AR-gestützte Marketingkampagnen durchgeführt, indem sie mit Snapchat oder Instagram zusammengearbeitet und dabei riesige Mengen an benutzergenerierten Inhalten erstellt haben. Das ist nahezu eine gratis Unterstützung und Mundpropaganda für Unternehmen, wenn die Inhalte online fleißig geteilt werden. Diese Marken können die Inhalte dann gemeinsam nutzen, um den Traffic in ihren E-Shops zu steigern.

Augmented Reality verändert die Welt

Ob man will oder nicht, AR verändert die Welt und dadurch auch das Einkaufverhalten der Konsumenten. AR ist eine Technologie, die aufgrund ihres leichten Zugangs eine große Akzeptanz in der Bevölkerung findet. Unternehmen welche bereits jetzt Erfahrungen mit dieser Technologie und deren Wirkungsmechanismen machen, generieren einen Wettbewerbsvorteil. AR verändert die Art und Weise wie Menschen mit ihrer Umgebung interagieren und wie sie diese wahrnehmen. Die Vergleichbarkeit von Produkten wird für Konsumenten immer schwerer. Eine gewisse Grundqualität wird von jedem Hersteller erwartet und so gewinnen Faktoren wie Service und Erlebnisse währende des Kaufprozesses an Bedeutung. Unternehmen können sich in der heutigen Zeit also noch eindeutig von Konkurrenten abheben, indem sie ihren Kunden besseren Service und bessere Erlebnisse bieten als die anderen. AR bietet eben die Möglichkeit, Erlebnisse beim Einkaufen zu schaffen, die sich bei Kunden richtig tief einbrennen, zu Begeisterung führen und dadurch zu einer Markentreue. So können die oben beschriebenen Vorteile von Augmented Reality nicht nur online sondern auch offline eingesetzt werden, um Menschen mehr Spaß beim Shoppen zu bringen.

Silviu

Über den Autor

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Kommunikation ist Silvius Leidenschaft, deswegen macht er auch den Vertrieb bei uns. Er ist ein klassischer Optimist und sieht das Glas immer halb voll, deswegen kann seine gute Laune ab und zu nerven, aber das ist ihm egal. Silviu ist ebenfalls um einiges nerdiger als er aussieht, in Sachen Marveluniversum, Dragonball und One Piece macht ihm keiner so schnell etwas vor, das guckt er nämlich noch immer mit voller Begeisterung. Eine seiner weiteren Begabungen ist das Merken von unnützen Wissen. Manch einer nennt ihn auch manch einer "Süvipedia", weil vermutet wird, dass er in seiner Freizeit am liebsten in Wikipedia liest.