AR und VR als Baumaterial

Gebaut haben wir Menschen schon immer. Die verschiedensten Materialien wurden über die Jahrhunderte, sogar Jahrtausende hinweg verwendet. Seit einer im Vergleich dazu relativen kurzen Zeit wird nun auch AR und VR als „Material“ verwendet. Doch was sind die großen Vorteile, und wofür kann man sie überhaupt einsetzen?

Der vermutlich einfachste Nutzen von Augmented Reality und Virtual Reality liegt darin, noch nicht fertig gebaute Gebäude in der virtuellen Realität zu erfahren. Zukünftige Bewohner und Käufer bekommen so eine Vorstellung davon, wie das Gebäude später aussehen wird oder wie zum Beispiel die Räume aufgeteilt sind. Eine der frühesten Entwicklungen auf diesem Gebiet sind Panorama-Viewer. Panorama-Viewer zeigen 360° Bilder, in denen man sich mittels Wisch-Gesten oder Bewegungssensoren umsehen kann. Die einfachste Art besteht aus einem Smartphone. Man benötigt nur die entsprechende App (z.B. diese hier) und kann sich (im Fall der App) schon im Vorhinein ansehen, wie sich das fertige Gebäude in seine Umgebung einpasst. Natürlich müssen die Panorama Bilder mittels Post-Processing bearbeitet werden. Durch sogenannte „Renderings“ können die zukünftigen Inhalte im Bild platziert werden. Eine fortschrittlichere Art kann mit VR-Brillen realisiert werden. Durch das HMD („head mounted display“) entsteht der Eindruck, man befinde sich direkt in der Szenerie. Kopfbewegungen können durch Sensoren nachverfolgt werden und man kann sich im 360°-Bild umsehen. Man kann sich hiermit sogar direkt in die fertige Wohnung stellen und sich sein zukünftiges Zuhause ansehen.

Man kann dieses Konzept ebenso mit Augmented Reality verwirklichen. Entweder mittels Smartphone oder Datenbrille können virtuelle Objekte in der Realität eingebunden werden. Ein Vorteil von AR ist, dass der User dann direkt in der zukünftigen Umgebung steht und so ein noch intensiverer Eindruck entsteht. Der Nachteil hier ist aber, dass man mit den aktuell verbreiteten Anwendungen noch ein Referenzbild benötigt, auf dem das Gebäude dargestellt wird. Allerdings kann man dieses Bild zum Beispiel als Bautafel „tarnen“.

Marketing und Verkauf

In der Branche der Bauelemente kommt häufiger AR als VR zum Tragen. Mittels des Referenzbildes kann überall das jeweilige Objekt platziert und so vorgestellt werden. Ein Anwendungsschwerpunkt ist hier zum Beispiel der Einsatz auf Messen. Dadurch dass die Elemente virtuell dargestellt werden, jedoch auch in der Software voll funktionsfähig sind (z.B. die Schiebefunktion von Jalousien oder Plissees) hebt man sich durch die Innovative Präsentation von seinen Mitbewerbern ab und lockt mehr Kunden an seinen Stand. Außerdem werden Kosten für einen aufwendigen Messestand gespart, da die Referenzbilder natürlich wesentlich weniger Platz benötigen als die realen Produkte.
Augmented Reality ist (im Gegensatz zu den meisten VR Anwendungen) allerdings nicht nur auf die Präsentation beschränkt. Auch direkt im Vertrieb können die Apps verwendet werden. Die Verkäufer fahren zu den Kunden und zeigen ihnen zum Beispiel den neuen Sonnenschutz direkt auf der eigenen Terrasse. Die Markise kann dann direkt vor Ort angepasst werden. Es können zum Beispiel die Farben oder die Bezüge geändert werden. Der Verkäufer trägt die an der Mauer gemessenen Werte in die App ein und kann die Bestellung direkt abschicken. Der Kunde bekommt ein Bild davon wie sein neuer Sonnenschutz zu den Terrassenmöbeln passt und hat gleichzeitig eine sehr große Zeitersparnis.

Wenn man nicht unbedingt nur auf mobile Technologien setzen möchte und gleichzeitig eine möglichst weite Verbreitung erreicht werden soll, können zusätzlich auch die aktuellsten Web-Technolgoien für einen 3D Produktkonfigurator im Web genutzt werden. Wie solche Web-Konfiguratoren genau funktionieren und was deren großen Vorteile sind, kannst du im Artikel von Mathias nachlesen.

Wartung

Was macht man jedoch, wenn das Produkt (dank AR-Voransicht perfekt ausgewählt und platziert) nicht tut was es tun soll? Auch dafür gibt es digitale Lösungen. Der Servicetechniker kommt persönlich vorbei, setzt sich seine Hololens auf und bekommt den Fehler direkt auf sein Display geliefert. Er benötigt kein Vorwissen, ihm wird alles was er wissen muss direkt auf die Brille projiziert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch direktes Anzeigen des Fehlers muss dieser nicht erst gesucht werden.
Weiters können AR und VR vor allem in der Schulung eine wichtige Rolle spielen. Mittels VR-Training können diverse Arbeitsschritte schon vorher virtuell getestet werden, um sie dann in der Realität besser einsetzen zu können. Gerade bei Servicetechnikern können die so erlernten Abläufe noch zeiteffizienter eingesetzt werden.

Doch warum sollte man das alles nun einsetzen?

Die Vorteile von AR und VR sind groß: Der wichtigste ist wohl, dass man, noch bevor Objekte real sind, einen Eindruck davon bekommt, wie sie in die Umgebung passen. Man kann im Vorhinein entscheiden welche Farbe, welche Ausrichtung, welche Konfiguration ein Produkt oder Objekt haben soll, sodass es sich perfekt ins Bild einfügt. Durch neue Technologien wie beispielsweise Google Tango oder das von Apple präsentierte ARKit, werden nicht einmal mehr Referenzbilder benötigt, durch die 3D Raumerkennung können Objekte beliebig platziert und besichtigt werden. Und es kann der Standort gewechselt werden, ohne das digitale Objekt zu verlieren. Dadurch ergeben sich noch viel mehr Möglichkeiten, Augmented Reality in der Praxis einzusetzen.

Ein Vorteil von Augmented Reality gegenüber Virtual Reality ist die Ortsunabhängigkeit. Durch die große Hardware Anforderung kann man VR zurzeit noch nicht überall einsetzen. Man bleibt bislang noch auf einen Rechner angewiesen, der die virtuelle Realität erzeugt. Dafür ist natürlich die Immersion in die virtuelle Umgebung um einiges größer. Natürlich benötigt auch Augmented Reality eine Software, die Referenzbilder oder die Umgebung erkennt und dann die gewünschten Objekte virtuell in die Realität platziert. Dazu müssen in den meisten Fällen Apps aus den jeweiligen App-Stores heruntergeladen werden.

Ein weiterer Vorteil beider Technologien ist die große Zeitersparnis. Mittels Konfiguratoren muss nicht nach jeder Änderung ein neuer Plan gezeichnet werden, dieser kann direkt aus der Software übernommen werden. Man kann die Maße seines Hauses direkt an die Umgebung anpassen und aus der App heraus direkt den Zeichenplan erstellen. So können diverse Schritte übersprungen werden, was zu einem schnelleren Ausführen eines Auftrages führt.

Ob es jetzt AR oder VR sein soll, sei jedem selbst überlassen. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Jedoch lässt sich nicht leugnen, dass das „Material“ AR bzw. VR sich sehr gut für ein neues Zeitalter in der Baubranche eignet. Durch die Digitalisierung kann in Zukunft noch Kosten- und Zeitsparender konstruiert und gebaut werden und z.B. Auswirkungen auf Stadtbilder können noch besser beachtet und berücksichtigt werden.